Wenn Spekulanten Schuldige suchen

Judenfeindschaft Der Gründerkrach von 1873 war auch die Geburtsstunde des modernen Antisemitismus.
Von Martin Doerry

An­dachts­stät­te Die »Neue Syn­ago­ge« in der Ora­ni­en­bur­ger Stra­ße in Ber­lin wur­de 1866 ein­ge­weiht (Ge­mäl­de von E. P. J. de Cau­wer, 1865).

Der An­griff kam von un­er­war­te­ter Sei­te: Im Juni 1875 ver­öf­fent­lich­te die Ber­li­ner »Kreuz­zei­tung« eine ers­te gro­ße Ab­rech­nung mit Otto von Bis­marck. In ei­ner Ar­ti­kel­se­rie un­ter dem Ti­tel »Die Ära Bleich­rö­der, Del­brück, Cam­phau­sen und die neu­deut­sche Wirt­schafts­po­li­tik« warf das Sprach­rohr der Ul­tra­kon­ser­va­ti­ven dem Reichs­kanz­ler Ver­rat an den ei­ge­nen Stan­des­in­ter­es­sen vor. Das Adel und Jun­kern na­he­ste­hen­de Blatt rüg­te Bis­marcks Zu­sam­men­ar­beit mit li­be­ra­len Po­li­ti­kern; vor al­lem aber ziel­te die Kri­tik auf sei­nen Ban­kier Ger­son von Bleich­rö­der. »In sei­nem gan­zen po­li­ti­schen Le­ben«, so der His­to­ri­ker Fritz Stern, »ver­bit­ter­te nichts Bis­marck so sehr wie die­se At­ta­cke sei­ner Mit­jun­ker.«

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