Per­so­na­lien

Peter Pan im Wunderland

• Der bri­ti­sche Schau­spie­ler Da­vid Oye­lo­wo, 44, mach­te in der Film­bran­che oft die Be­kannt­schaft von Leu­ten, die ihre Macht ein­set­zen, um an­de­ren den Weg zu blo­ckie­ren. Oye­lo­wo, der ge­ra­de in dem Sci­ence-Fic­tion-Film »The Mid­ni­ght Sky« auf Net­flix zu se­hen ist und dem­nächst den le­gen­dä­ren Bo­xer Su­gar Ray Ro­bin­son ver­kör­pern soll, sag­te dem Lon­do­ner »In­de­pen­dent«, er sei oft auf Ab­leh­nung ge­sto­ßen und habe sich als Schau­spie­ler nur »wie der Zahn ei­nes Zahn­rads« ge­fühlt. Dann habe er er­kannt, dass er mehr sein und »sein ei­ge­nes Fahr­rad« ha­ben wol­le. Um mehr Kon­trol­le über sei­ne Kar­rie­re zu be­kom­men, habe er 2014 eine Pro­duk­ti­ons­fir­ma ge­grün­det. Auch sei­nen Film »Die Ma­gie der Träu­me«, in dem er an der Sei­te von An­ge­li­na Jo­lie zu se­hen ist, hat er mit­pro­du­ziert. In dem Fan­ta­sy­dra­ma, das im März in Deutsch­land auf DVD er­schei­nen soll, spielt er den Va­ter von Ali­ce im Wun­der­land und Pe­ter Pan. Die­se Fi­gur un­ter­schei­de sich stark von den Rol­len, die er sonst an­ge­bo­ten be­kom­me, so Oye­lo­wo. Er fra­ge sich, war­um sei­ne Fil­me oft zu po­li­ti­schen De­bat­ten füh­ren wür­den. Schwarz zu sein sei für ihn nor­mal, aber der Rest der Welt sehe dar­in of­fen­bar et­was Un­ge­wöhn­li­ches. Manch­mal be­nei­de er wei­ße Stars, die sich nur auf ihre Rol­len kon­zen­trie­ren könn­ten. »Aber viel­leicht wer­den mei­ne Kin­der ei­nes Ta­ges auch in den Ge­nuss die­ses Pri­vi­legs kom­men.«

Den Hammer rausholen

• Mit ih­rem fu­rio­sen Come­back-Al­bum »Fetch the Bolt Cut­ters« (»Holt die Bol­zen­schnei­der raus«) tauch­te die US-Sän­ge­rin Fio­na App­le, 43, zum Jah­res­ab­schluss in so gut wie je­der Kri­ti­ker­bes­ten­lis­te auf. Auch bei Ame­ri­kas wich­tigs­ten Mu­sik­prei­sen, den Gram­mys, ist sie mit ih­ren ro­hen, stimm­ge­wal­tig vor­ge­tra­ge­nen Selbst­er­mäch­ti­gungs-Songs in drei Ka­te­go­ri­en no­mi­niert. In der Spar­te »Bes­te Rock Per­for­mance« sind ne­ben App­le fast aus­schließ­lich weib­li­che Stars no­mi­niert, ein Zei­chen des fe­mi­nis­ti­schen, von Iden­ti­täts­po­li­tik ge­präg­ten Zeit­geists. App­le woll­te sich zu­nächst dar­über freu­en, sag­te sie im »Guar­di­an«. Aber dann habe sie rea­li­siert, dass der we­gen Ver­ge­wal­ti­gungs­vor­wür­fen in Ver­ruf ge­ra­te­ne Mu­sik­pro­du­zent Dr. Luke un­ter dem Pseud­onym Ty­son Trax eben­falls no­mi­niert wur­de, der ver­meint­li­che Wan­del der Gram­mys also ge­heu­chelt sei. Em­pört mal­te sich App­le aus, was sie täte, wenn sie ge­wän­ne: »Mei­ne Vi­si­on war, dass ich ein­fach mit ei­nem Vor­schlag­ham­mer da hoch­ge­hen und nichts sa­gen wür­de. Ich wür­de den Gram­my neh­men und ihn in so vie­le Tei­le zer­schla­gen, dass es für alle reicht – und dann die La­dys auf die Büh­ne ein­la­den.« Die für den 31. Ja­nu­ar ge­plan­te Gram­my-Ver­lei­hung wur­de we­gen der Co­ro­na-Pan­de­mie auf den 14. März ver­scho­ben. Soll­ten dann wie­der Li­ve­auf­trit­te von No­mi­nier­ten mög­lich sein, könn­te sich App­les Vi­si­on also noch er­fül­len.

Applaus auf Schritt und Tritt

• Der bri­ti­sche Schrift­stel­ler Alan Ben­nett, 86, will sich von den Ge­bre­chen des Al­ters nicht un­ter­krie­gen las­sen. In sei­nem jähr­li­chen Bei­trag für die »Lon­don Re­view of Books« be­schreibt er mit viel Witz und Selbst­iro­nie, wie er sei­ner zu­neh­men­den Ar­thri­tis trotzt. Ei­nen Trep­pen­lift im ei­ge­nen Heim leh­ne er »aus äs­the­ti­schen Grün­den« ab. Dies habe al­ler­dings zur Fol­ge, dass er die Stu­fen mor­gens her­ab- und erst abends wie­der hin­auf­stei­ge. Gro­ßen Wert lege er dar­auf, re­gel­mä­ßig an der fri­schen Luft spa­zie­ren zu ge­hen. In Co­ro­na-Zei­ten habe ihm die­se An­ge­wohn­heit ein un­ver­gess­li­ches Er­leb­nis ver­schafft: Bei ei­nem sei­ner Gän­ge um den Block habe die Nach­bar­schaft an­ge­fan­gen, zu klat­schen und auf Pfan­nen zu schla­gen. Der Bei­fall habe Kran­ken­haus­be­diens­te­ten und Pfle­ge­kräf­ten ge­gol­ten. Da er sich an sei­nem Geh­stock fest­klam­mern muss­te, habe er nicht mit ein­stim­men kön­nen. Statt­des­sen habe er sich vor­ge­stellt, dass der Ap­plaus ihm gel­ten könn­te. Un­ge­ach­tet sei­ner kör­per­li­chen Be­schwer­den be­rei­tet er ge­ra­de eine neue Büh­nen­ver­si­on sei­nes Er­folgs­stücks »Tal­king Heads« vor. Die Ein­nah­men sol­len an das staat­li­che Ge­sund­heits­sys­tem NHS ge­hen. Denn Pre­mier­mi­nis­ter Bo­ris John­son, so fürch­tet Ben­nett, könn­te es mit sei­ner Co­ro­na-Po­li­tik in Grund und Bo­den wirt­schaf­ten.

Haarige Angelegenheit

• Die fran­zö­si­sche Po­li­ti­ke­rin Mar­lè­ne Schiap­pa, 38, ist in eine bi­zar­re Af­fä­re ge­ra­ten. Al­les be­gann mit ei­nem Vi­deo auf ih­rem Ins­ta­gram-Ac­count der Mi­nis­te­rin für Staats­bür­ger­schaft, das wirkt wie eine Sham­poo­wer­bung: Es zeigt den Hin­ter­kopf ei­ner Frau, die ihre lan­gen Haa­re ele­gant hin- und her­schwenkt. Dazu ein Dank an den Pa­ri­ser Fri­seur­sa­lon ANS Bra­sil für das ge­lun­ge­ne Haare­glät­ten. Der Post blieb nicht lan­ge un­be­merkt und lös­te bald Dis­kus­sio­nen dar­über aus, ob eine Po­li­ti­ke­rin Wer­bung auf ih­rem Ac­count ma­chen dür­fe. Es hand­le sich um eine Fäl­schung, ver­laut­bar­te die Pres­se­stel­le ei­lends, bis meh­re­re Be­ob­ach­ter den Hin­ter­grund des Vi­de­os mit frü­he­ren Ein­trä­gen der Po­li­ti­ke­rin ver­gli­chen. Da­bei fan­den sie her­aus, dass ge­wis­se De­tails in ih­ren Posts im­mer gleich aus­sa­hen. Das mach­te eine Fäl­schung un­wahr­schein­lich. Das Mi­nis­te­ri­um än­der­te dar­auf­hin die Dar­stel­lung. Das Vi­deo wur­de ge­löscht und der Ins­ta­gram-Ac­count auf pri­vat um­ge­stellt. Ma­dame la Mi­nist­re habe nie ei­nen ge­spon­ser­ten Post ver­öf­fent­licht, heißt es jetzt. Ein Mit­ar­bei­ter des Fri­seur­sa­lons konn­te be­le­gen: Frau Schiap­pa hat die Rech­nung be­zahlt, 150 Euro. Kri­ti­ker fin­den, die Mi­nis­te­rin habe zu­min­dest eine schö­ne Er­mä­ßi­gung er­hal­ten. Die Be­hand­lung fürs Haare­glät­ten kos­tet bei die­sem Fri­seur nor­ma­ler­wei­se 350 Euro für lan­ges Haar und 400 Euro für sehr lan­ges Haar.

Lagarde-Maß

• Die Prä­si­den­tin der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank Chris­ti­ne La­g­ar­de, 65, zeigt gern, dass sie es in je­der Hin­sicht mit Män­nern auf­neh­men kann. Als jun­ge An­wäl­tin sei sie ein­mal se­xu­ell be­läs­tigt ge­wor­den, er­zähl­te sie jetzt in ei­nem In­ter­view des fran­zö­si­schen Ra­dio­sen­ders Fran­ce In­ter. Als ei­ner ih­rer da­ma­li­gen Kli­en­ten droh­te, über­grif­fig zu wer­den, habe sie dies schnell und wirk­sam ab­schmet­tern kön­nen. Al­ler­dings fiel ihr dies wo­mög­lich auch et­was leich­ter als vie­len an­de­ren Frau­en: »Wenn man 1,80 Me­ter groß ist und dazu noch von kräf­ti­ger Sta­tur, dann hat man ei­nen Vor­teil.« Da­nach sei sie nie wie­der be­läs­tigt wor­den, be­rich­te­te sie nun. Dies lag wohl auch dar­an, dass La­g­ar­de schon früh in Füh­rungs­po­si­tio­nen kam. Als ers­te Frau lei­te­te sie die in­ter­na­tio­nal tä­ti­ge An­walts­kanz­lei Baker & McKen­zie, spä­ter wur­de sie Wirt­schafts- und Fi­nanz­mi­nis­te­rin Frank­reichs und stand da­nach an der Spit­ze des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds. Von se­xis­ti­schen Be­mer­kun­gen blieb al­ler­dings auch sie nicht ver­schont. Das habe sie als Po­li­ti­ke­rin in Frank­reich fest­stel­len müs­sen, als männ­li­che Kol­le­gen Kom­men­ta­re fal­len lie­ßen wie: »Mit wem hat sie ge­schla­fen, um auf die­sen Pos­ten zu kom­men?« La­g­ar­de fin­det, dass sie für ihr Al­ter nach wie vor noch ziem­lich gut in Form sei. Sie schaf­fe es im­mer noch, 50 Me­ter weit zu tau­chen, ohne zwi­schen­durch Luft zu ho­len. In ih­rer Frei­zeit mes­se sie mit ih­ren bei­den Söh­nen ab und zu beim Arm­drü­cken die Kraft. »Und manch­mal ge­win­ne ich so­gar.«

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