»Die Zukunft muss städtisch sein«

Wohnen Friedrich von Borries Experte für urbane Entwicklung, über die Gefahren des Einfamilienhauses, Pop-up-Fahrradwege und die Frage, welche Häuser wirklich gebaut werden sollten

Bor­ries, 46, Ar­chi­tekt, Au­tor, Ku­ra­tor und Hoch­schul­leh­rer, ist über­zeug­ter Groß­städ­ter. Er hat eine Pro­fes­sur in Ham­burg und ein Pro­jekt­bü­ro in Ber­lin, wo er auch lebt. Doch ver­rät er, dass er sich in die­sem Jahr we­gen der Co­ro­na­kri­se mit sei­ner Fa­mi­lie viel auf dem Land auf­ge­hal­ten habe. Seit 2009 lehrt Bor­ries De­sign­theo­rie an der Hoch­schu­le für bil­den­de Küns­te in Ham­burg. Im Fi­scher-Ver­lag er­schien im ver­gan­ge­nen Jahr das mit sei­nem Kol­le­gen Ben­ja­min Kas­ten ver­fass­te Buch »Stadt der Zu­kunft. Wege in die Glo­ba­lo­po­lis«.

SPIEGEL: Herr von Bor­ries, die Mensch­heit weiß seit spä­tes­tens 50 Jah­ren um die Fol­gen der Um­welt­zer­stö­rung und han­delt die­sem Wis­sen zu­wi­der. Wo se­hen Sie die größ­ten Fehl­ent­wick­lun­gen der Ar­chi­tek­tur im Hin­blick aufs Kli­ma?

Bor­ries: In der Aus­brei­tung der Städ­te von der Nach­kriegs­zeit bis in die Acht­zi­ger­jah­re hin­ein, mit im­mer neu­en Vor­or­ten, im­mer neu­en Ein­fa­mi­li­en­häu­sern – ei­ner Zer­sie­de­lung der Land­schaft, ein Flä­chen­fraß für letzt­lich zu we­nig Men­schen.

SPIEGEL: Bis zur Pan­de­mie ließ sich eine ge­gen­tei­li­ge Ent­wick­lung be­ob­ach­ten. Fa­mi­li­en blie­ben ten­den­zi­ell gern in den Städ­ten woh­nen, ur­ba­ne Räu­me wur­den ver­dich­tet, brach lie­gen­de Flä­chen für Woh­nun­gen und Ge­schäf­te er­schlos­sen.

Bor­ries: Ja, wir ha­ben Be­mü­hun­gen ge­se­hen, die in die rich­ti­ge Rich­tung ge­hen. Der Um­bau al­ter Ha­fen­flä­chen in Wohn­ge­bie­te ge­hört dazu, wie die Ham­bur­ger Ha­fen­Ci­ty, oder die Um­wand­lung al­ter Gleis­ge­bie­te in Parks, wie beim Gleis­drei­eck in Ber­lin. Und dann er­le­ben wir auch die­se zar­ten Ver­su­che, mit Um­welt­zo­nen be­stimm­te For­men von sehr schmut­zi­ger Mo­bi­li­tät aus den In­nen­städ­ten zu ver­ban­nen. Das sind Ent­wick­lun­gen der ver­gan­ge­nen 15 Jah­re, durch die Städ­te ei­ner­seits dich­ter, an­de­rer­seits grü­ner ge­wor­den sind – und um bei­des geht es.

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