Per­so­na­lien

Spaß am Klischee

• Es war ab­zu­se­hen, dass Lily Col­lins, 31, mit die­ser Rol­le be­son­ders viel Auf­merk­sam­keit be­kom­men wür­de: Die Se­rie »Emi­ly in Pa­ris« ist so schrill, künst­lich und über­kan­di­delt, dass sie aus dem Al­ler­lei her­vor­sticht. Die Hand­lung der Net­flix-Pro­duk­ti­on: Eine jun­ge Frau wird von ei­ner Mar­ke­ting­agen­tur in Chi­ca­go nach Pa­ris ge­schickt, um den Kol­le­gen dort zu er­klä­ren, wie man so­zia­le Me­di­en für Wer­be­kam­pa­gnen nutzt. Col­lins spielt die spek­ta­ku­lär schlecht ge­klei­de­te Ame­ri­ka­ne­rin als stau­nen­de Dau­er­tou­ris­tin, die glück­lich stöh­nend in Scho­ko­crois­sants beißt. Ihr Ge­gen­part ist die fran­zö­si­sche Agen­tur­che­fin, die auf eine Kol­le­gin wie Emi­ly ganz be­stimmt nicht ge­war­tet hat. Die Se­rie wird von den Zu­schau­ern ge­hasst und ge­liebt – für ei­nen gro­ßen Er­folg im­mer noch die bes­te Vor­aus­set­zung. Und Lily Col­lins hat die Chan­ce, die ihr die­se Rol­le bot, per­fekt ge­nutzt. Col­l­in­s' Emi­ly ist so lust­voll kli­schee­haft, dass man sie als Zu­schau­er am liebs­ten zum Teu­fel ja­gen möch­te und sich über je­den Tief­schlag freut, den sie von der Agen­tur­che­fin ein­ste­cken muss. Die Schau­spie­le­rin, Toch­ter des Mu­si­kers Phil Col­lins, die weit­ge­hend ohne ih­ren Va­ter auf­wuchs, hat­te 2017 ih­ren Durch­bruch mit ei­nem völ­lig ge­gen­sätz­li­chen Pro­jekt: mit dem Net­flix-Film »To the Bone« zum The­ma Anor­ex­ie; sie hat of­fen dar­über ge­spro­chen, dass sie mit Ess­stö­run­gen zu kämp­fen hat­te. Die süß­li­che Hei­ter­keit von »Emi­ly in Pa­ris« ist auch des­halb ver­gnüg­lich, weil Col­lins ihre Rol­le in vol­lem Be­wusst­sein um de­ren Ober­fläch­lich­keit spielt.

Ein Ufo als Vorbild?

Ti­phai­ne Au­ziè­re, 36, An­wäl­tin für Ar­beits­recht und jüngs­te Toch­ter der fran­zö­si­schen First Lady Bri­git­te Ma­cron, 67, regt die Fan­ta­sie der bri­ti­schen Pres­se an. Sie po­sier­te vo­ri­ge Wo­che ge­mein­sam mit ih­rer Mut­ter auf dem Co­ver des Peop­le-Ma­ga­zins »Pa­ris Match«. Der of­fi­zi­el­le An­lass: Sie hat eine Pri­vat­schu­le in Pa­ris ge­grün­det, auf der be­gab­te Schü­ler das Ab­itur vor­zie­hen kön­nen. Ne­ben­bei er­zähl­te Au­ziè­re dem Ma­ga­zin, dass sie ih­ren Stief­va­ter Em­ma­nu­el Ma­cron »das Ufo« nennt. Sie habe ihm die­sen Spitz­na­men als Kind ge­ge­ben, weil sie ihn schon im­mer be­son­ders bril­lant fand. Wird Au­ziè­re bald selbst eine Rol­le in der fran­zö­si­schen Po­li­tik spie­len? 2017 setz­te sie sich im Wahl­kampf im­mer­hin für »das Ufo« ein. Die bri­ti­sche Zei­tung »Dai­ly Mail« hält eine Art »Trump-Dy­nas­tie« in Frank­reich für mög­lich. Schon frü­her wur­de Ma­crons Toch­ter von der eng­lisch­spra­chi­gen Pres­se gern mit Ivan­ka Trump ver­gli­chen, der ein­fluss­rei­chen Lieb­lings­toch­ter des US-Prä­si­den­ten. Doch ganz so weit ist es noch nicht. Au­ziè­re hat mehr als ein­mal ge­sagt, sie habe »we­der die Am­bi­ti­on noch den Wunsch, in die Po­li­tik zu ge­hen«. Be­rüh­rungs­punk­te gibt es trotz­dem: »Pa­ris Match« ver­riet sie, dass sie sich ge­le­gent­lich mit Re­gie­rungs­mit­glie­dern aus­tau­sche.

Training für die Seele

• In den so­zia­len Me­di­en brach ein Sturm los, als die af­gha­ni­sche Ak­ti­vis­tin Ma­ryam Du­ra­ni im Sü­den ih­res Lan­des das ers­te Fit­ness­stu­dio für Frau­en er­öff­ne­te. Sie habe ein Haus der Pro­sti­tu­ti­on er­öff­net, in dem Hu­ren trai­nier­ten, die sich at­trak­ti­ver ma­chen woll­ten, hieß es da. Auch 19 Jah­re nach der US-ge­führ­ten In­va­si­on ge­gen die Ta­li­ban sind die An­sich­ten vie­ler Af­gha­nen dort im­mer noch so eng­stir­nig wie da­mals. Die Mitt­drei­ßi­ge­rin Du­ra­ni wur­de be­reits 2012 vom Ma­ga­zin »Time« als eine der ein­fluss­reichs­ten Per­sön­lich­kei­ten ge­ehrt. Sie über­leb­te meh­re­re An­schlä­ge und wird im­mer wie­der be­droht – von Män­nern. Kan­da­har liegt in ei­ner der kon­ser­va­tivs­ten Re­gio­nen des Lan­des. Ihr Sport­stu­dio be­fin­det sich in ei­nem fens­ter­lo­sen Kel­ler, vie­le Sport­le­rin­nen trai­nie­ren heim­lich, ei­ni­ge sind schon at­ta­ckiert wor­den. Du­ra­ni sag­te der »New York Times«, der Klub »ist eben­so wich­tig für die see­li­sche Ge­sund­heit der Frau­en wie für ihre kör­per­li­che, fast jede Frau, die hier­her­kommt, ist de­pres­siv«. Sie bie­tet in ih­rem pri­va­ten Kul­tur­zen­trum auch Trai­ning für den Geist. Es gibt Eng­lisch­kur­se und ein Näh­zen­trum, au­ßer­dem ei­nen Frau­en­sen­der, Mer­man Ra­dio. Du­ra­ni macht schon lan­ge Po­li­tik für Frau­en im Pro­vinz­rat. Ihr Ziel ist die Gleich­be­rech­ti­gung al­ler Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in Kan­da­har. Da­hin ist es je­doch ein wei­ter Weg. »In die­ser Ge­sell­schaft sind die Män­ner für alle Pro­ble­me ver­ant­wort­lich«, sagt eine der Klub­be­su­che­rin­nen. »Das ist un­se­re Kul­tur, nicht nur die der Ta­li­ban. Män­ner kon­trol­lie­ren im­mer noch al­les.«

Die Herzen zuerst

• Der ke­nia­ni­sche Fil­me­ma­cher Pe­ter Mu­r­i­mi, 42, setzt im Kampf ge­gen Vor­ur­tei­le auf die Kraft der Zeit – und der Her­zen. Schon lan­ge nimmt er sich in sei­nen Do­ku­men­tar­fil­men gro­ßer so­zia­ler The­men in Afri­ka an: HIV, Pro­sti­tu­ti­on oder Po­li­zei­ge­walt. In sei­nem neu­en Film »I Am Sa­mu­el« über ein schwu­les Paar geht es um die tief ver­wur­zel­te Ho­mo­pho­bie in Ke­nia. Ho­mo­se­xua­li­tät kann in dem ost­afri­ka­ni­schen Land mit Ge­fäng­nis­stra­fen von bis zu 14 Jah­ren ge­ahn­det wer­den. Mu­r­i­mi glaubt, dass Fil­me über gleich­ge­schlecht­li­che Lie­be – ne­ben der Ent­kri­mi­na­li­sie­rung von Ho­mo­se­xua­li­tät – zur Durch­set­zung von mehr LGB­TQ-Rech­ten bei­tra­gen kön­nen. In den USA sei­en Schwu­le und Les­ben auch des­halb ak­zep­tier­ter in der Ge­sell­schaft, weil im­mer mehr Ho­mo­se­xu­el­le in Fil­men auf­ge­taucht sei­en, sag­te Mu­r­i­mi der Nach­rich­ten­agen­tur AFP: »Es heißt: Wenn du die Her­zen ge­won­nen hast, spielt das Ge­setz kei­ne Rol­le mehr.« Ho­mo­pho­be Ke­nia­ner wür­den Ho­mo­se­xu­el­le heu­te als Men­schen kri­ti­sie­ren, die ei­nem »west­li­chen Le­bens­stil« hul­dig­ten. Und Auf­ru­fe für mehr To­le­ranz aus dem Aus­land wür­den üb­li­cher­wei­se da­mit ab­ge­tan, den Afri­ka­nern sol­le eine frem­de Kul­tur auf­ge­zwun­gen wer­den. Da­her müs­se die Ver­än­de­rung von in­nen be­gin­nen. In »I Am Sa­mu­el« geht es nicht um »wir ge­gen die«, statt­des­sen ste­hen fa­mi­liä­re Kon­flik­te im Vor­der­grund. Der aus­ge­zeich­ne­te Fil­me­ma­cher sag­te: »Vie­le Vä­ter, de­ren Kin­der schwul sind, wer­den et­was mit die­sem Film an­fan­gen kön­nen.«

Unter Hühnern

• Wenn sie sich für ei­nen ein­zi­gen Job im Le­ben ent­schei­den müss­te, wür­de ihre Wahl auf die Lei­tung ih­rer Farm fal­len, sag­te sie im »Guar­di­an«. Doch glück­li­cher­wei­se ist das nicht der Fall. Isa­bel­la Ros­sel­li­ni, 68, Toch­ter von Re­gis­seur Ro­ber­to Ros­sel­li­ni und Schau­spie­le­rin In­grid Berg­man, be­gann ihre Kar­rie­re als Schau­spie­le­rin, spä­ter ar­bei­te­te sie auch als Mo­del. Seit Jah­ren ist sie au­ßer­dem Au­to­rin, Fil­me­ma­che­rin, Ver­hal­tens­for­sche­rin, Se­xu­al­kun­de­leh­re­rin – und lei­den­schaft­li­che Hüh­ner­züch­te­rin. Mit ih­rem neu­en Li­vestream »Sex & Con­se­quen­ces« setzt sie jetzt ihre preis­ge­krön­te Kurz­film­rei­he »Green Por­no« fort. Ros­sel­li­ni wirkt dar­in als Re­gis­seu­rin, Dreh­buch­au­to­rin und Dar­stel­le­rin – und das gern mal im In­sek­ten­kos­tüm. In den Fil­men über die Fort­pflan­zung bei Tie­ren war sie die ein­zi­ge (mensch­li­che) Dar­stel­le­rin; das Gan­ze sei »lus­tig, lehr­reich und et­was durch­ge­knallt – ein biss­chen wie Ros­sel­li­ni«, for­mu­liert der »Guar­di­an« tref­fend. Seit Frei­tag kann man »Sex & Con­se­quen­ces« se­hen. Die vier Li­veper­for­man­ces fin­den auf Ros­sel­li­nis Mama Farm statt. Der Bau­ern­hof trägt die­sen Na­men, weil dort vor al­lem Frau­en und weib­li­che Tie­re le­ben.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer SPIEGEL-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen. MIT SPIEGEL+ LESEN – GRATIS TESTEN

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 43/2020.