»Auch Galgenhumor hilft«

SPIEGEL-Gespräch Vor 20 Jahren verschleppten Rebellen die Göttinger Familie Wallert auf die philippinische Insel Jolo. Heute empfindet der jüngste Sohn diese Zeit als nützlich.

Ent­füh­rungs­op­fer Wal­lert 

Im April 2000 wur­de Marc Wal­lert in ei­nem ma­lay­si­schen Tauch­re­sort ent­führt. Die Kid­nap­per, Mit­glie­der der is­la­mis­ti­schen Ter­ror­grup­pe Abu Say­yaf, hiel­ten 21 Gei­seln mehr als vier Mo­na­te lang im phil­ip­pi­ni­schen Dschun­gel ge­fan­gen, da­bei ge­riet die Grup­pe mehr­mals un­ter Be­schuss der Ar­mee, die den Re­bel­len nach­stell­te. Das In­ter­es­se am Schick­sal der ent­führ­ten deut­schen, fran­zö­si­schen, fin­ni­schen, li­ba­ne­si­schen und süd­afri­ka­ni­schen Tou­ris­ten war welt­weit groß. Etwa 40 Jour­na­lis­ten reis­ten zur Be­richt­er­stat­tung nach Jolo, un­ter ih­nen der SPIEGEL-Re­por­ter An­dre­as Lo­renz, der eben­falls ein Op­fer der Re­bel­len wur­de und drei Wo­chen lang in de­ren Ge­walt war. Wal­lert, da­mals 27 Jah­re alt, kam nach 140 Ta­gen als eine der letz­ten Gei­seln frei. Sei­ne eben­falls ent­führ­ten El­tern wa­ren zu dem Zeit­punkt be­reits in ihre Hei­mat­stadt Göt­tin­gen zu­rück­ge­kehrt; der Va­ter Wer­ner, ein Geo­gra­fie­leh­rer, wur­de der deut­schen Öffent­lich­keit als Spre­cher der Gei­sel­grup­pe be­kannt. Der Frei­las­sung al­ler Gei­seln gin­gen kom­pli­zier­te Ver­hand­lun­gen vor­aus. Ne­ben Di­plo­ma­ten aus den Hei­mat­län­dern der Ent­führ­ten be­tei­lig­te sich dar­an auch der da­ma­li­ge li­by­sche Staats­chef Mu­am­mar al Gad­da­fi. Dass er 25 Mil­lio­nen US-Dol­lar Lö­se­geld zahl­te, wur­de of­fi­zi­ell nie be­stä­tigt.

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