Ende der Lotterie

Philosophie  Hannah Arendt, die das »Denken ohne Geländer« zu ihrer Disziplin erkor, erhält nun eine kritische Gesamtausgabe, die so überraschend ist wie ihr Werk.

Au­to­rin Arendt 1944: »Von dem Aus­ma­ße des Ver­häng­nis­ses kaum eine Vor­stel­lung«

Ich bin noch im­mer beim Über­set­zen und Flu­chen, aber fast fer­tig. Die Sa­che sieht im Deut­schen all­mäh­lich or­dent­lich aus.« So schrieb Han­nah Arendt, aber auf Eng­lisch, im Mai 1960 ih­rer Freun­din Mary Mc­Car­thy aus New York nach Rom. Es war nicht un­be­dingt so, dass sie Über­set­zern nicht trau­te, aber ihre Er­fah­run­gen mit Ver­la­gen ver­lie­fen ge­mischt (»bei Har­court, Bra­ce bin ich si­cher, dass nie­mand das Buch ge­le­sen hat, au­ßer Bill«, no­tier­te sie ein­mal über ih­ren ame­ri­ka­ni­schen Ver­lag). Auch stell­te sie das Den­ken nicht ein, wenn ein Buch ge­druckt vor­lag; das Ar­gu­men­tie­ren war ein Pro­zess, der mit der Nie­der­schrift nicht not­wen­dig sein Ende fand. Und schließ­lich hat­te sie, wann im­mer sie schrieb, ein Pu­bli­kum vor Au­gen: Und das deut­sche der Nach­kriegs­zeit war eben ein ganz und gar an­de­res als das in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten. So­dass auch »Vita ac­tiva oder Vom tä­ti­gen Le­ben«, über dem sie zu die­ser Zeit fluch­te, ein an­de­res Buch wur­de als »The Hu­man Con­di­ti­on«, das 1958 er­schie­nen war.

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