Nils Mink­mar Zur Zeit

Post von Bridget

Wo fin­det man in die­ser grau­en Sai­son noch Poe­sie? Eine Quel­le da­für ist eben­so zu­ver­läs­sig wie un­ver­mu­tet: der Ord­ner mit der un­er­wünsch­ten Elek­tro­post. Es gibt da alle Ar­ten von Junk­mails, man­che rich­tig ge­fähr­lich – und dann gibt es dort Brie­fe wie je­nen von Bridget. Bridget weiß, was ich den­ke, denn sie ver­si­chert mir gleich im ers­ten Satz, dass ihr Brief al­lein für mich be­stimmt sei. Doch kaum ler­ne ich Bridget ken­nen, heißt es auch wie­der Ab­schied neh­men, denn sie sei, so schreibt sie, tod­krank. Dann teilt sie mir ih­ren Kon­to­stand mit: 4 972 000 Dol­lar. Und die möch­te sie an eine got­tes­fürch­ti­ge Per­son über­wei­sen, da­mit im Na­men ih­res ver­stor­be­nen Man­nes Schu­len ge­grün­det wer­den. Den Na­men ih­res Man­nes hat sie lei­der nicht ge­nannt, ob­wohl er doch nicht un­wich­tig wäre, wenn eine Schu­le nach ihm be­nannt wer­den soll. Und lei­der bin ich nicht got­tes­fürch­tig, son­dern ewi­ger Athe­ist. Aber das ist der poe­ti­sche Mo­ment in die­ser Art von Post: Sie glänzt durch ihre hu­ma­ne Un­voll­kom­men­heit.

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