ZEIT­REISE – DER SPIEGEL VOR 50 JAHREN

Op­fer des Song-My-Mas­sa­kers
Vietnamkrieg

Amerika­ni­scher Alptraum

Vielleicht brauchte es ein Massaker wie das von Song My, um der Welt die Grausamkeit des Vietnamkriegs aufzuzeigen. Entsetzt mussten die Amerikaner feststellen, dass auch US-Soldaten Kriegsverbrechen verübten. Doch bei Lichte betrachtet währte das Morden schon seit Jahren.

»Ope­ra­ti­on Mu­s­ca­ti­ne« hieß jene Ope­ra­ti­on, die Ein­hei­ten der 11. Leich­ten In­fan­te­rieb­ri­ga­de im März 1968 in das klei­ne Reis­bau­ern­dorf Song My führ­te. Der Auf­trag lau­te­te, das Dorf zu ver­nich­ten. »Ge­le­gent­li­che Kampf­tä­tig­keit bis 15 Uhr«, ver­mel­de­te der Hee­res­be­richt, »128 Feind­to­te«. Die Wirk­lich­keit hin­ter dem ste­ri­len Be­richt sah an­ders aus: Nach­dem die GIs die »Bam­bus­ka­ten« der Dorf­be­woh­ner an­ge­zün­det hat­ten, schos­sen »die Ame­ri­ka­ner auf al­les was sich be­weg­te«. Sie »mäh­ten die Dorf­be­woh­ner mit Ma­schi­nen- und Schnell­feu­er­ge­weh­ren nie­der. In das Knäu­el To­ter und Ster­ben­der feu­er­ten sie Ge­wehr­gra­na­ten.« Er habe im gan­zen Dorf kei­nen ein­zi­gen Mann im kampf­fä­hi­gen Al­ter ge­se­hen, ge­stand spä­ter ein be­tei­lig­ter Feld­we­bel, »es war nack­ter Mord«. Es traf alte Män­ner eben­so wie jun­ge Frau­en, von de­nen et­li­che zu­vor ver­ge­wal­tigt wor­den wa­ren. Vier Ma­ga­zi­ne habe er auf eine Grup­pe Dorf­be­woh­ner ge­leert, be­rich­te­te ein 22-jäh­ri­ger Sol­dat spä­ter in ei­nem TV-In­ter­view. Selbst Ba­bys sei­en un­ter den Er­schos­se­nen ge­we­sen. »Wenn du sie heu­te killst«, ver­such­te ein an­de­rer Be­tei­lig­ter das Er­schie­ßen von Klein­kin­dern zu recht­fer­ti­gen, »kön­nen sie dich mor­gen nicht krie­gen«.

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