Dumm­heit des Schwarms

Einwurf Wenn jeder Ahnungslose zum Kritiker wird, führt die digitale Meinungsdemokratie ins Chaos.

von Christian Wüst

Dem Pa­ti­en­ten ge­nau zu­zu­hö­ren zeich­net ei­nen gu­ten Arzt aus. We­ni­ger rat­sam scheint es da­ge­gen, sich von den Kran­ken auch gleich sa­gen zu las­sen, was der Dok­tor nun zu tun habe. So war ich et­was be­frem­det, als ein be­freun­de­ter In­ter­nist mir er­zähl­te, er wür­de auch mal teu­re und un­sin­ni­ge The­ra­pi­en ver­ord­nen, wenn der Pa­ti­ent die­se aus­drück­lich wün­sche. Er ma­che das je­den­falls im­mer dann, wenn Grund zu der Be­fürch­tung be­ste­he, dass ge­ra­de ein po­ten­zi­el­ler In­ter­net­quäl­geist in sei­nem Sprech­zim­mer sitzt. Wenn der nicht be­kom­me, was er will, so der Me­di­zi­ner, flu­te er wo­mög­lich spä­ter aus Ver­druss sämt­li­che Arzt­be­wer­tungs­por­ta­le mit Hass­kom­men­ta­ren. Ein sou­ve­rä­ner Arzt, der sei­ner Kom­pe­tenz und sei­nem Ge­wis­sen folgt, kann sol­ches Trei­ben so lan­ge igno­rie­ren, bis der vir­tu­el­le Fä­ka­li­en­sturm ihn die Exis­tenz kos­tet.

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