Per­so­na­lien

Doppelte Königin

• Im Film »The Fa­vou­rite« stell­te sie Queen Anne dar, die An­fang des 18. Jahr­hun­derts re­gier­te – und wur­de da­für mit ei­nem Os­car aus­ge­zeich­net. In der ver­gan­ge­nen Wo­che kam die bri­ti­sche Schau­spie­le­rin Oli­via Col­man, 45, dem Kö­nigs­haus auch im ech­ten Le­ben sehr nah: Sie nahm für ihre Ver­diens­te um die Schau­spie­le­rei ei­nen Or­den ent­ge­gen, den Com­man­der of the Most Ex­cel­lent Or­der of the Bri­tish Em­pi­re. Prin­zes­sin Anne, ein­zi­ge Toch­ter von Kö­ni­gin Eliz­a­beth II., über­reich­te ihn. Von Eliz­a­beth, so be­rich­te­te es Col­man der BBC, sei sie wäh­rend der Dreh­ar­bei­ten zur drit­ten Staf­fel der Net­flix-Se­rie »The Crown« ge­ra­de­zu be­ses­sen ge­we­sen. Die Schau­spie­le­rin spielt dar­in die Queen in den Jah­ren 1964 bis 1977. Sie löst ihre Kol­le­gin Clai­re Foy ab, die in den ers­ten bei­den Staf­feln die Rol­le der jun­gen Kö­ni­gin in­ne­hat­te. Die bei­den Schau­spie­le­rin­nen se­hen sich nicht sehr ähn­lich. Foy hat blaue Au­gen wie die Queen, Col­man brau­ne. An­fangs soll­te Col­man des­halb blaue Kon­takt­lin­sen tra­gen, doch sie wirk­te da­mit sehr mas­ken­haft. Das ist nicht die ein­zi­ge Ab­wei­chung von der Rea­li­tät; bei dem Gan­zen han­delt es sich schließ­lich nicht um eine Do­ku­men­ta­ti­on, son­dern um eine fik­ti­ve Ver­si­on des roya­len Le­bens. Sie sei trotz­dem über­zeugt, dass die Se­rie die kö­nig­li­che Fa­mi­lie mit Re­spekt be­hand­le, sag­te Col­man der »Times«. Aus Pa­last­krei­sen heißt es, ei­ni­ge Royals sä­hen »The Crown« ganz gern. Ob die ech­te Queen die Se­rie an­schaut, ist al­ler­dings nicht be­zeugt.

Schlummern mit guter Regie

• Der ame­ri­ka­ni­sche Re­gis­seur Fran­cis Ford Cop­po­la, 80, hat in Pa­ris eine Sui­te im ele­gan­ten Ho­tel Lu­te­tia ein­ge­rich­tet. Ein Foto sei­ner Toch­ter So­fia schmückt das Schlaf­zim­mer. Dazu ließ er meh­re­re Skulp­tu­ren und Film­ka­me­ras aus sei­ner pri­va­ten Samm­lung in dem Pent­house auf­stel­len, das Gäs­te für rund 7000 Euro pro Nacht mie­ten kön­nen. Als De­kor dient auch eine Aus­ga­be des Ro­mans »Der Pate« von Ma­rio Puzo, mit per­sön­li­chen No­ti­zen Cop­po­las. Im Ein­rich­ten von Ho­tels hat der Re­gis­seur von »Apo­ca­lyp­se Now« Er­fah­rung: In Be­li­ze, Gua­te­ma­la, Ar­gen­ti­ni­en und Ita­li­en kann man sich schon län­ger à la Cop­po­la bet­ten. Die Sa­che habe sich ein­fach so er­ge­ben, er­zähl­te er der fran­zö­si­schen Zeit­schrift »Pa­ris Match«. Er habe sei­ne Fa­mi­lie im­mer schon an schö­nen Or­ten zu­sam­men­brin­gen wol­len. Freun­de ka­men dazu, und dann woll­ten alle im­mer län­ger blei­ben. Er muss­te Per­so­nal ein­stel­len, um alle zu ver­sor­gen. »Ir­gend­wann muss man die Leu­te da­für zah­len las­sen, sonst geht man plei­te.« Die per­sön­li­chen Er­in­ne­rungs­stü­cke hät­te er bei sich zu Hau­se in Ka­li­for­ni­en oh­ne­hin nicht un­ter­ge­bracht. »Sie wä­ren in ei­nem La­ger ge­lan­det.«

Lohn des Muts

• Mit ih­rer Aus­sa­ge vor dem US-Se­nat ver­ur­sach­te Chris­ti­ne Bla­sey Ford, 53, im Sep­tem­ber 2018 ei­nen rie­si­gen Me­di­en­rum­mel, seit­her mied sie die Öffent­lich­keit. Sie be­schul­dig­te da­mals Brett Ka­va­n­augh, Do­nald Trumps Kan­di­da­ten für die Neu­be­set­zung ei­nes Rich­ter­pos­tens am Su­pre­me Court, der ver­such­ten Ver­ge­wal­ti­gung wäh­rend ih­rer Teen­ager­zeit. Vom Se­nat wur­de Ka­va­n­augh spä­ter trotz­dem be­stä­tigt. Vor we­ni­gen Ta­gen nahm Bla­sey Ford den »Em­power­ment Award« ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on ent­ge­gen, die sich für die För­de­rung von Frau­en ein­setzt. Sie wis­se, dass nicht jede Frau so pri­vi­le­giert wie sie sei, sag­te Bla­sey Ford. Ihre fi­nan­zi­el­len Mit­tel und die Hil­fe von Freun­den hät­ten es ihr er­mög­licht, sich mit ih­rer Fa­mi­lie zu ver­ste­cken, als sie we­gen ih­rer Aus­sa­ge Mord­dro­hun­gen er­hielt. Crowd­fun­ding-Kam­pa­gnen hat­ten mehr als 700 000 Dol­lar für Si­cher­heits­maß­nah­men mo­bi­li­siert. Für ih­ren Mut, ge­gen jene auf­zu­ste­hen, die sie zum Schwei­gen brin­gen woll­ten, und ein The­ma an­zu­spre­chen, das zu oft igno­riert wer­de, setz­te das Ma­ga­zin »Time« die Hoch­schul­leh­re­rin für Psy­cho­lo­gie 2019 auf sei­ne Lis­te der »100 ein­fluss­reichs­ten Men­schen«.

Zurück in den Osten

• Die Kunst­hal­le Ros­tock war der ein­zi­ge Mu­se­ums­neu­bau der DDR. Die Ma­le­rin Sa­bi­ne Mo­ritz, 50, er­öff­ne­te dort am ver­gan­ge­nen Wo­chen­en­de eine Aus­stel­lung, die »wie eine Zeit­rei­se« sei. Dem Pu­bli­kum mu­tet sie mit ih­ren Ge­mäl­den ei­ni­ges an deut­scher Ge­schich­te zu: Es wird ihre Se­rie »Ster­bend« ge­zeigt, die vom Tod ei­nes DDR-Flücht­lings im Jahr 1962 an der in­ner­deut­schen Gren­ze han­delt. Selt­sa­mer­wei­se, sagt Mo­ritz, habe sie bei der Er­öff­nung kei­ner der Be­su­cher auf die­se Ge­mäl­de an­ge­spro­chen, »es war über­ra­schend ent­spannt«. Die Künst­le­rin war noch Schü­le­rin, als ihre Mut­ter mit ihr und den bei­den Brü­dern 1985 aus Ost­deutsch­land aus­reis­te. Der Va­ter, ein Che­mi­ker, war vie­le Jah­re zu­vor bei ei­ner Ex­plo­si­on im La­bor um­ge­kom­men, ein Tod, der viel­leicht hät­te ver­hin­dert wer­den kön­nen, wenn es in der DDR aus­rei­chen­de Schutz- oder Not­fall­maß­nah­men ge­ge­ben hät­te. In West­deutsch­land stu­dier­te sie Kunst, wur­de an der Düs­sel­dor­fer Aka­de­mie Meis­ter­schü­le­rin bei Ger­hard Rich­ter, der spä­ter ihr Ehe­mann wur­de. Mo­ritz er­klärt, der Ort und der Um­stand, dass sich der Mau­er­fall zum 30. Mal jährt, hät­ten die Aus­wahl ih­rer Bil­der für Ros­tock be­ein­flusst, noch im­mer sei das Ver­hält­nis zwi­schen Ost und West schwie­rig, von Miss­ver­ständ­nis­sen ge­prägt. Für sie ist es die ers­te grö­ße­re Schau im Os­ten des Lan­des.

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