Der Büstenhalter

Ges­tern und heu­te 1969 streckt eine Frau­en­recht­le­rin in San Fran­cis­co dem über­wie­gend männ­li­chen Pu­bli­kum ei­nen Büsten­hal­ter ent­ge­gen. Der galt da­mals als Sym­bol pa­tri­ar­cha­li­scher Un­ter­drückung. 2019 ver­zich­tet die In­flu­en­ce­rin Stel­la von Sen­ger kom­plett auf das Wäsche­s­tück 

Klas­si­ker Wie es um die Eman­zi­pa­ti­on der Frau be­stellt ist, lässt sich am BH er­ken­nen: Heu­te sind Push-ups out. Jun­ge Frau­en wol­len ihre Brüs­te nicht mehr hoch­bo­cken und da­durch sexy wir­ken. Un­ter­wä­sche, die Män­nern ge­fal­len soll, ist bei der Me­Too-Ge­ne­ra­ti­on ab­ge­mel­det. Da trägt frau lie­ber gar kei­nen BH - so wie die In­flu­en­ce­rin­nen Stel­la von Sen­ger oder Nike Jane, die sich auch als Fe­mi­nis­tin­nen ver­ste­hen. Wer nicht ganz auf Un­ter­stüt­zung ver­zich­ten mag, greift auf bü­gel­lo­se Mo­del­le zu­rück, die Zwangs­ge­füh­le ver­mei­den und von ei­ni­gen An­bie­tern als Re­vo­lu­ti­on ver­mark­tet wer­den, ge­treu dem Mot­to »Free your bre­asts and the rest will fol­low«. Vor bei­na­he 100 Jah­ren war es schon mal en vogue, die Brüs­te na­tür­lich zu prä­sen­tie­ren: Das an­dro­gy­ne Er­schei­nungs­bild galt als Zei­chen der Be­frei­ung (etwa bei Coco Cha­nel) - aber nur kurz. Der Krieg warf auch die Frau­en­be­we­gung zu­rück, die Wä­sche wur­de pro­vo­zie­rend auf­rei­zend, man den­ke an den Spitz-BH. Erst die Sech­zi­ger­jah­re än­der­ten al­les, es galt, ge­gen das Macht­ge­fäl­le zwi­schen den Ge­schlech­tern an­zu­ge­hen. Fe­mi­nis­tin­nen ver­brann­ten öf­fent­lich Büs­ten­hal­ter als Sym­bo­le des Übels. Die Frau­en­recht­le­rin Ger­mai­ne Greer rief da­mals die »Be­frei­ung von der Un­ter­drü­ckung durchs Pa­tri­ar­chat« aus und fäll­te ihr Ur­teil: »Der BH ist eine irr­sin­ni­ge Er­fin­dung.«

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