Angst­lust ist das Ge­heim­nis von Gru­sel­fil­men. Ki­no­mons­ter sind dazu da, woh­li­gen Schau­der her­vor­zu­ru­fen, und ein an­stän­di­ges Mons­ter, da sind sich Ki­no­gän­ger von je­her ei­nig, hat groß zu sein – je grö­ßer das Mons­ter, des­to schö­ner der Schre­cken. Ein be­son­ders lang­le­bi­ges Ex­em­plar ist God­zil­la, be­kannt aus in­zwi­schen 35 Fil­men, in de­nen die Ech­se eine in­ter­es­san­te Ent­wick­lung nimmt: Im neu­es­ten Ki­no­film (»King of the Mons­ters«) ist sie mit 120 Me­tern mehr als dop­pelt so groß wie im ers­ten aus dem Jahr 1954 (50 Me­ter). Als »Iko­ne« se­hen die ame­ri­ka­ni­schen Bio­lo­gen Na­tha­ni­el Do­mi­ny und Ryan Cals­beek das Tier, ein Spie­gel­bild sei­ner je­wei­li­gen Zeit. God­zil­las Zeit be­ginnt un­mit­tel­bar nach ei­nem ame­ri­ka­ni­schen Atom­test auf dem Bi­ki­ni-Atoll, der ein ja­pa­ni­sches Fi­scher­boot und des­sen Mann­schaft schwer ver­strahlt. God­zil­la wird er­fun­den als Ant­wort auf die­sen Vor­fall, von An­fang an stampft er als Me­ta­pher durch die Welt – mal schwingt die Angst vor ei­ner nu­klea­ren Ver­seu­chung mit, mal die Angst vor Gen­tech­no­lo­gie, ein­mal geht es um Kli­ma­wan­del, ein an­der­mal um Ar­ten­ster­ben. Es sind dif­fu­se oder gar un­sicht­ba­re Schre­cken; das Mons­ter hat den Vor­teil, sicht­bar zu sein. Und da­mit be­kämpf­bar. Je angst­vol­ler die Zei­ten, des­to grö­ßer God­zil­la, mei­nen nun Do­mi­ny und Cals­beek in ih­rem Auf­satz im Wis­sen­schafts­blatt »Sci­ence«. Und des­to wich­ti­ger wo­mög­lich die Bot­schaft, die das Mons­ter mit sich bringt: Eben weil God­zil­la bei­nah un­be­sieg­bar sei, so die The­se der Au­to­ren, be­grei­fe die Mensch­heit in den Fil­men, dass sie zu­sam­men­hal­ten muss – »eine Lek­ti­on für un­se­re Zeit«.

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