Aloha

Leitkultur  Alexander Osang über den Wunsch, seiner Welt zu entfliehen

Mein Nach­bar Itay hat den Som­mer in Eu­ro­pa ver­bracht und will jetzt aus Is­ra­el aus­wan­dern. Zu­gleich ver­folgt er den Im­mo­bi­li­en­markt in Jaf­fa. Viel­leicht will er ein Schloss kau­fen in Frank­reich, ein klei­nes nur, viel­leicht auch die Woh­nung ne­ben­an. Preis­lich, sagt er, neh­me sich das nicht viel. Er fährt dem­nächst nach Por­tu­gal, um dort sei­ne zwei­te Staats­bür­ger­schaft zu be­kom­men. Er ist dann auch Eu­ro­pä­er. Er hat ein Haus in Ams­ter­dam, das er ver­kau­fen könn­te, um das klei­ne Schloss zu fi­nan­zie­ren. Wir sit­zen in sei­ner schö­nen Tel Avi­ver Woh­nung, schau­en aufs Meer. Is­ra­el be­schießt Li­ba­non, die His­bol­lah schießt zu­rück. Es ist bald wie­der Wahl. Ben­ja­min Net­anya­hu steht vor Sa­tel­li­ten­bil­dern und zeigt auf ein ver­meint­li­ches ira­ni­sches Atom­la­ger wie der Mo­dera­tor ei­ner Kin­der­sen­dung, der den Krieg er­klärt. Letz­tes Jahr prä­sen­tier­te er die Ge­fahr wie ein Zau­ber­künst­ler, er zog schwar­ze Tü­cher von Re­ga­len mit Ak­ten­ord­nern und CDs, auf de­nen Be­wei­se für die Ge­fahr aus dem Aus­land ge­spei­chert sein soll­ten. Man sah kei­ne Be­wei­se, nur Net­anya­hu mit sei­ner Be­ton­fri­sur und die her­ab­fal­len­den Tü­cher. Na­tür­lich ist das lä­cher­lich, aber es funk­tio­niert bei mir. Ein Krieg bleibt ein Krieg.

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