Die »Eu­ro­pa« (eben­so wie ihr Schwes­ter­schiff, die »Bre­men«) wur­de von Ka­pi­tä­nen ge­steu­ert, von der Jung­fern­fahrt bis zur Ver­schrot­tung 1962. Rich­tig weib­lich an Eu­ro­pa ist eben nur der Ar­ti­kel, das gilt für Schnell­damp­fer ge­nau­so wie für die EWG und die EU. An­fang 1962 sa­ßen neun Män­ner in der Hall­stein-Kom­mis­si­on, der ers­ten Kom­mis­si­on der EWG, und kei­ne Frau. Selbst in Bonn gab es ja nur eine Mi­nis­te­rin. 1973 be­gann im­mer­hin die Aus­ar­bei­tung von Richt­li­ni­en zur Gleich­be­rech­ti­gung, wor­auf­hin zehn lan­ge Jah­re aus­ge­ar­bei­tet wur­de. Es dau­er­te bis 1980, dass die Kom­mis­si­on die ei­ge­ne Per­so­nal­po­li­tik zag­haft zu än­dern be­gann. Das ist Fort­schritt in plat­ten­tek­to­ni­scher Ge­schwin­dig­keit. Erst Jac­ques De­lors schaff­te es 1989, zwei EU-Kom­mis­sa­rin­nen in sei­ne Mann­schaft zu ho­len, Vas­si­li­ki Pa­pand­reou und Chris­tia­ne Scrivener, zu­stän­dig für Be­schäf­ti­gung und So­zia­les be­zie­hungs­wei­se für Steu­ern und Zoll­uni­on. Und sie­he da: Sie mach­ten es gut, je­den­falls nicht schlech­ter als ihre da­mals 15 Kol­le­gen. Da­bei war es nicht (nur) die Schuld der je­wei­li­gen Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten, wenn es bis heu­te ge­dau­ert hat, eine Pa­ri­tät der Ge­schlech­ter auf EU-Füh­rungs­ebe­ne auf den Weg zu brin­gen. Es ist Sa­che der Mit­glieds­län­der, ihre Kan­di­da­tin­nen und Kan­di­da­ten für die Kom­mis­si­ons­pos­ten vor­zu­schla­gen. Und des­halb hat­te Ur­su­la von der Ley­en er­heb­li­che Schwie­rig­kei­ten, ihre zwölf EU-Kom­mis­sa­rin­nen zu­sam­men­zu­be­kom­men, um zum ers­ten Mal eine fast voll­kom­me­ne Pa­ri­tät zu er­rei­chen – so­fern die No­mi­nier­ten vom EU-Par­la­ment dann auch be­stä­tigt wer­den.

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