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Peter Lindbergh, 74

1990 er­schie­nen die Mo­dels Nao­mi Camp­bell, Lin­da Evan­ge­lis­ta, Tat­ja­na Pa­titz, Chris­ty Tur­ling­ton und Cin­dy Cra­w­ford zu­sam­men auf dem Co­ver der bri­ti­schen Aus­ga­be der »Vogue«. Vor al­lem die­se fünf Frau­en do­mi­nier­ten in den fol­gen­den Jah­ren die Mo­de­bran­che. Mit dem heu­te le­gen­dä­ren Foto läu­te­te Pe­ter Lind­bergh die Ära der Su­per­mo­dels ein. Sei­ne mar­kan­ten Schwarz-Weiß-Bil­der, die in vie­len in­ter­na­tio­na­len Ma­ga­zi­nen ver­öf­fent­licht wur­den, re­vo­lu­tio­nier­ten die Mo­de­fo­to­gra­fie und lie­ßen ihn selbst zum Star wer­den. »Was mich in­ter­es­siert, ist die­se ge­wis­se Wirk­lich­keit hin­ter der Fas­sa­de«, be­schrieb er sei­ne Ar­beit. Die glatt ge­schmink­te Mo­de­welt in­ter­es­sier­te ihn nicht. Er fo­to­gra­fier­te Men­schen, kei­ne Klei­der­stän­der. Ohne viel Schmin­ke, die Haa­re oft leicht zu­rück­ge­steckt. Meist Frau­en. Meist schwarz-weiß. Der Fo­to­graf Jim Ra­ke­te sag­te über Lind­berghs Ar­beit: »So wie sich die Mo­dels bei Hel­mut New­ton im­mer gleich aus­zo­gen, so stülp­ten sie bei Pe­ter im­mer die See­le nach au­ßen.« Als Pe­ter Brod­beck kam Lind­bergh im pol­ni­schen Lis­sa zur Welt. Sei­ne Fa­mi­lie wur­de ver­trie­ben, zu­sam­men mit zwei Ge­schwis­tern wuchs er in Duis­burg auf. Die Zeit im Ruhr­ge­biet präg­te vor al­lem sei­ne frü­he Ar­beit. Die In­dus­trie­ar­chi­tek­tur fas­zi­nier­te ihn, spä­ter stell­te er sei­ne Mo­dels gern in ein künst­li­ches, tech­ni­sches Um­feld. Nach ei­ner Leh­re zum Schau­fens­ter­de­ko­ra­teur stu­dier­te er an der Kunst­hoch­schu­le freie Ma­le­rei. Zur Fo­to­gra­fie kam Lind­bergh mit 27 Jah­ren, als sein Bru­der ihn bat, des­sen Kin­der zu fo­to­gra­fie­ren. Zwei Jah­re lang as­sis­tier­te er dem Düs­sel­dor­fer Fo­to­gra­fen Hans Lux und nahm den Künst­ler­na­men Lind­bergh an. Seit 1978 leb­te er in Pa­ris, wo ihm der in­ter­na­tio­na­le Durch­bruch ge­lang. Noch im Fe­bru­ar die­ses Jah­res stell­te er auf der Ber­li­na­le den Do­ku­men­tar­film »Pe­ter Lind­bergh – Wo­men's Sto­ries« vor, ein pa­cken­des, in­ti­mes Por­trät, das ein fran­zö­si­scher Freund über ihn ge­dreht hat­te. Pe­ter Lind­bergh starb am 3. Sep­tem­ber in Pa­ris.

Valerie Harper, 80

Ihre Ne­ben­rol­le der Rho­da Mor­gen­stern in der ame­ri­ka­ni­schen TV-Se­rie »The Mary Ty­ler Moo­re Show« war so be­liebt, dass sie 1974 ihre ei­ge­ne Sit­com »Rho­da« be­kam. Für die Dar­stel­lung der jü­di­schen De­ko­ra­teu­rin er­hielt die US-Schau­spie­le­rin im Lauf der Jah­re vier Em­mys und ei­nen Gol­den Glo­be. Va­le­rie Har­per be­zeich­ne­te Rho­da als den »Wind in den Se­geln« ih­rer Kar­rie­re. Im Show­ge­schäft be­gon­nen hat­te Har­per als Tän­ze­rin am Broad­way. 1970 wur­de sie in Los An­ge­les von ei­nem Agen­ten ent­deckt. Ne­ben ih­ren vie­len Fern­seh­rol­len in Se­ri­en wie »Co­lum­bo« war sie ge­le­gent­lich in Hol­ly­wood­fil­men zu se­hen. Als Gast­star tauch­te sie in er­folg­rei­chen TV-Se­ri­en wie »Sex and the City«, »Die wil­den Sieb­zi­ger« oder »Des­pe­ra­te Hou­se­wi­ves« auf. 2009 wur­de bei Har­per Krebs dia­gnos­ti­ziert. Vier Jah­re spä­ter sag­ten ihr die Ärzte, dass sie nur noch drei Mo­na­te zu le­ben habe. Kurz dar­auf war sie wie­der im Fern­se­hen zu se­hen und setz­te ihre Ar­beit fort. Va­le­rie Har­per starb am 30. Au­gust in Los An­ge­les.

Anthoine Hubert, 22

Der Fran­zo­se kam über sei­nen Va­ter, der als Ama­teur an Au­to­ral­lyes teil­ge­nom­men hat­te, im Teen­ager­al­ter zum Renn­sport und ge­hör­te dort bald zu den auf­stre­ben­den Ta­len­ten. Er ar­bei­te­te sich bis in die For­mel 2, schaff­te es mit sei­nem Team BWT Ar­den zwei­mal aufs Sie­ger­po­dest und war im Nach­wuchs­pro­gramm des For­mel-1-Renn­stalls Re­nault. Am 31. Au­gust wur­de Hu­bert beim For­mel-2-Ren­nen im bel­gi­schen Spa-Fran­cor­champs von dem Wa­gen des ame­ri­ka­ni­schen Fah­rers Juan Ma­nu­el Cor­rea ge­trof­fen. Das Auto des Fran­zo­sen wur­de voll­stän­dig zer­stört. Cor­rea über­leb­te schwer ver­letzt – Hu­bert starb. Beim For­mel-1-Ren­nen, das am fol­gen­den Tag auf dem­sel­ben Kurs statt­fand, tru­gen die Fah­rer Trau­er­flor für An­t­hoi­ne Hu­bert. Der Un­fall lös­te eine neu­er­li­che De­bat­te um die Si­cher­heit in den Renn­se­ri­en aus.

Immanuel Wallerstein, 88

Die gan­ze Welt auf den Be­griff zu brin­gen dürf­te der größ­te Traum al­ler Ge­sell­schafts- und Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler sein. Eine Er­zäh­lung für den gan­zen bun­ten Zau­ber, eine Er­klä­rung für die ent­schei­den­den Kon­flik­te der Mensch­heit. »Welt­sys­tem­ana­ly­se« nann­te der Ame­ri­ka­ner Im­ma­nu­el Wal­ler­stein das, was er seit den frü­hen Sieb­zi­ger­jah­ren in zahl­rei­chen Bü­chern aus­brei­te­te, eine rie­si­ge ge­lehr­te Zu­sam­men­schau von Ge­schich­te, So­zio­lo­gie, Wirt­schafts­wis­sen­schaft und Mar­xis­mus. Das war durch­aus um­strit­ten – für vie­le Glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­ker war er ab den Neun­zi­gern trotz­dem ein be­lieb­ter Stich­wort­ge­ber. Ge­bo­ren in New York, stu­dier­te Wal­ler­stein an der Co­lum­bia Uni­ver­si­ty und lehr­te dort auch. Im­ma­nu­el Wal­ler­stein starb am 31. Au­gust.

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