Haus­mit­tei­lung

Als Lon­don-Kor­re­spon­dent Jörg Schind­ler am Mitt­woch im bri­ti­schen Par­la­ment Mar­got Ja­mes traf, er­war­te­te er eine nie­der­ge­schla­ge­ne Frau. Gut zwölf Stun­den zu­vor war die Kon­ser­va­ti­ve von ih­rem Par­tei­chef Bo­ris John­son aus der Tory-Frak­ti­on ge­schmis­sen wor­den. Aber das Ge­gen­teil war der Fall: Ja­mes, bo­ris­blon­des Haar, ver­sier­te Red­ne­rin, schien fast be­schwingt von der Aus­sicht, es bei Neu­wah­len mit John­son auf­neh­men zu kön­nen, des­sen Wahl zum Pre­mier sie für eine vor­über­ge­hen­de Ver­ir­rung ih­rer Par­tei hält. To­ries ge­gen To­ries an der Urne – es ist nur eine von vie­len neu­en Vol­ten im Brex­it-Epos, dem größ­ten po­li­ti­schen Dra­ma in der jün­ge­ren Ge­schich­te Eng­lands. »Bis­lang war es ein Schar­müt­zel zwi­schen Po­li­ti­kern, un­ter John­son ist es nun eine Schlacht, die an den Fun­da­men­ten der De­mo­kra­tie rüt­telt«, sagt Schind­ler. zum Ar­ti­kel

Hö­cke, Mül­ler in Wer­der

Erst vor we­ni­gen Ta­gen hat AfD-Chef Alex­an­der Gau­land sei­ne Par­tei noch als »bür­ger­lich« be­zeich­net, doch das stimmt nicht. Der bran­den­bur­gi­sche Spit­zen­kan­di­dat An­dre­as Kal­bitz kommt aus dem rechts­ex­tre­men Mi­lieu, der völ­ki­sche »Flü­gel« rund um den thü­rin­gi­schen Lan­des­chef Björn Hö­cke gibt in­zwi­schen den Ton an. Auf ei­ner Wahl­par­ty in Bran­den­burg zeig­te sich Hö­cke un­ge­wohnt lo­cker, ohne Kra­wat­te – und vor al­lem sehr zu­ver­sicht­lich vor den Thü­rin­ger Wah­len im Ok­to­ber. Ein Team um SPIEGEL-Re­dak­teu­rin Ann-Kat­rin Mül­ler be­schreibt, was die Ra­di­ka­li­sie­rung und die Er­fol­ge der AfD für die deut­sche Po­li­tik be­deu­ten: »Die Par­tei ist wei­ter rechts denn je«, sagt Mül­ler, »des­halb braucht es ei­nen neu­en, här­te­ren Um­gang mit ihr.« Ein­schät­zun­gen wie die­se miss­fal­len der AfD. Als Mül­ler auf der Par­ty in Bran­den­burg auf­tauch­te, wur­de sie mit den Wor­ten be­grüßt: »Dass Sie sich hier hin­trau­en.« zum Ar­ti­kel

Mo­re­no, Farc-Kämp­fer in Ko­lum­bi­en

Vor gut drei Jah­ren in­ter­view­te SPIEGEL-Mit­ar­bei­ter Juan Mo­re­no den Ex-Gue­ril­la­kämp­fer Da­ni­lo Al­vi­zu, der zur Farc ge­hört, den mar­xis­tisch-le­ni­nis­ti­schen »Re­vo­lu­tio­nä­ren Streit­kräf­ten Ko­lum­bi­ens«. Die Ter­ror­grup­pe hat­te da­mals ge­ra­de die Waf­fen ab­ge­ge­ben. Der längs­te Gue­ril­la­krieg der neue­ren Ge­schich­te schien da­mit be­en­det. Fo­to­graf Fe­de­ri­co Ríos blieb mit Al­vi­zu lose in Kon­takt. Ende ver­gan­ge­ner Wo­che gab die Grup­pie­rung be­kannt, den Krieg ge­gen den ko­lum­bia­ni­schen Staat wie­der auf­zu­neh­men. Und Al­vi­zu ist ei­ner der füh­ren­den Köp­fe. Mo­re­no und Ríos durf­ten als bis­her ein­zi­ge Jour­na­lis­ten ein Farc-Camp be­su­chen. »Wir konn­ten se­hen, wie sie die Ko­kain­pro­duk­ti­on ko­or­di­nie­ren, Kin­der­sol­da­ten trai­nie­ren. Das Ziel ist, den re­vo­lu­tio­nä­ren Kampf in die Städ­te zu brin­gen. Der Traum ei­nes be­frie­de­ten Ko­lum­bi­ens ist de­fi­ni­tiv vor­bei«, sagt Mo­re­no. zum Ar­ti­kel

Der US-Au­tor Jo­na­than Sa­fran Foer und New-York-Kor­re­spon­dent Phil­ipp Oehm­ke wür­den sich bei­de als auf­ge­klär­te, ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te Män­ner be­zeich­nen. Bei­de sind Vä­ter. Und doch ge­lingt es ih­nen nicht, ihr Le­ben so zu füh­ren, dass ihre Kin­der in 50 Jah­ren auch noch gut auf die­sem Pla­ne­ten le­ben kön­nen. Bei­de wis­sen, was sie da­für tun müss­ten, schaf­fen es nur nicht. Und ge­nau dar­über ha­ben sie sich aus­ge­tauscht. Foer hat ein Buch über das »Rin­gen mit un­se­rer See­le« ge­schrie­ben, wenn man sich an­ge­sichts des Kli­ma­wan­dels ein­schrän­ken will. Am Ende sag­te er zu Oehm­ke: »Wenn Sie nach­her zum Mit­tag kein Fleisch es­sen, hat die­ses In­ter­view schon et­was ge­bracht.« Nach dem Ter­min be­stell­te Oehm­ke Sa­lat. Ohne Hühn­chen. zum Ar­ti­kel