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Aus­ga­be 33/​1969
Wahlkampf

Der Staat sind wir

Wie kein zweiter Schriftsteller warf sich Günter Grass für die Sozialdemokraten in die Wahlschlacht, doch anders als vier Jahre zuvor stand der Hauptgegner nicht rechts. Der politische Erfolg seines Engagements blieb ungewiss, literarisch ging zwischen den Fronten der Esprit verloren.

Bei sei­nem ers­ten En­ga­ge­ment 1965 war al­les ein­fa­cher ge­we­sen, der Groß­schrift­stel­ler kämpf­te an der Sei­te des ehe­ma­li­gen Exi­lan­ten Wil­ly Brandt ge­gen das ehe­ma­li­ge NS­DAP-Mit­glied Kurt Ge­org Kie­sin­ger. Der »ge­lern­te So­zi­al­de­mo­krat« ver­tei­dig­te die Licht­ge­stalt der Lin­ken schon al­lein aus »Mit­ge­fühl mit dem Dif­fa­mier­ten«. An­ders als die meis­ten lin­ken In­tel­lek­tu­el­len be­jah­te er den Staat und warf sich in die »Dreck­li­nie des po­li­ti­schen Klein­kamp­fes«, um für jene »so­li­de, et­was farb­lo­se So­zi­al­de­mo­kra­tie« ein­zu­tre­ten. Sei­ne Auf­trit­te wa­ren oft un­ge­ho­belt, die der­be Spra­che der »Blech­trom­mel« präg­te sei­ne Auf­trit­te. Grass po­la­ri­sier­te und schreck­te da­mit nicht we­ni­ge »bra­ve Bür­ger« eher ab. Für sie blieb er ein Schmutz­fink, der so un­an­stän­di­ge Din­ge be­schrieb, »über die nicht ein­mal Ehe­leu­te mit­ein­an­der spre­chen«, wie sich der da­ma­li­ge Bun­des­prä­si­dent Lüb­ke aus­drück­te.

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