Kultur

Schels-Foto »Schaf«, 1984, Mo­tiv aus der Se­rie »Beim Fri­seur«, 1974
Fotografie

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• Er hat Mo­dels für den »Play­boy« fo­to­gra­fiert und Wer­be­kam­pa­gnen für die Te­le­kom oder die Bun­des­bahn. Doch ir­gend­wann, sagt der Fo­to­graf Wal­ter Schels, »habe ich kaum noch Auf­trä­ge an­ge­nom­men, die mit Lä­cheln zu tun ha­ben. Und dann bleibt nicht mehr viel üb­rig«. Statt­des­sen kon­zen­trier­te er sich auf jene Ar­bei­ten, die ihn als Fo­to­künst­ler be­kannt ma­chen soll­ten: sei­ne Por­träts, schnör­kel­lo­se Stu­di­en in Schwarz-Weiß, meist re­du­ziert auf das We­sent­li­che, das Ge­sicht. Schels fo­to­gra­fier­te Po­li­ti­ker (An­ge­la Mer­kel, Hel­mut Schmidt, den Da­lai-Lama), Mu­si­ker (Cam­pi­no von den To­ten Ho­sen oder die Pia­nis­tin Mi­t­su­ko Uchi­da), aber auch vie­le Nicht­pro­mi­nen­te: Ba­bys, Bo­dy­buil­der, Tod­kran­ke. In sei­ner jüngs­ten Se­rie be­ob­ach­tet er ju­gend­li­che Trans­se­xu­el­le. Ge­lä­chelt wird fast nie auf Schel­s' Bil­dern, da­für wir­ken die Por­trä­tier­ten ganz bei sich – un­ver­stellt, un­ge­küns­telt, wahr­haf­tig. So­gar ein Schaf wur­de vor sei­ner Ka­me­ra zu ei­ner cha­ris­ma­ti­schen Per­sön­lich­keit. Jetzt wird Schels, 83, in sei­ner Wahl­hei­mat Ham­burg mit ei­ner gro­ßen Aus­stel­lung ge­ehrt. »Le­ben« heißt die Schau in den Deich­tor­hal­len (19. Juli bis 3. Ok­to­ber), rund 300 Ar­bei­ten aus fünf Jahr­zehn­ten, mal in Post­kar­ten-, mal in Pla­kat­grö­ße, aber fast aus­schließ­lich in Schwarz-Weiß. Ein Farb­fo­to war Schels al­ler­dings be­son­ders wich­tig: Es zeigt den Kopf ei­nes Kin­des im Mo­ment der Ge­burt.

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