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Friedrich Meckseper, 82

Be­reits als jun­ger Ma­ler und Gra­fi­ker er­schien er sei­nen Be­wun­de­rern als Schöp­fer ei­ner un­hek­ti­schen Ge­gen­welt. Sei­ne Kunst war im­mer schon Ent­schleu­ni­gung, für ihn, der sie in alt­meis­ter­li­cher Ak­ku­ra­tes­se her­stell­te, und für die, die sich von ihr fes­seln lie­ßen. 1969 hieß es in der »Stutt­gar­ter Zei­tung« über den da­mals 33-Jäh­ri­gen, sei­ne eif­rigs­ten Samm­ler sei­en sol­che mit ei­nem über­füll­ten Ter­min­ka­len­der, »nie­mand kommt ohne sei­ne Träu­me aus«. Für den bri­ti­schen »Guar­di­an« war Fried­rich Meck­se­per so­gar je­mand aus ei­ner »Zeit au­ßer­halb der Zeit«; der Ar­ti­kel er­schien 1972 an­läss­lich ei­ner Aus­stel­lung in Düs­sel­dorf. Ästhe­ti­sche Mo­den in­ter­es­sier­ten ihn tat­säch­lich nie, Mo­der­ni­tät sehr wohl. Sei­ne Bil­der­welt ist ge­gen­ständ­lich und doch un­wirk­lich, still und ir­ri­tie­rend, stets vol­ler Span­nung. Der Ar­chi­tek­ten­sohn ab­sol­vier­te in Stutt­gart eine Leh­re zum Me­cha­ni­ker, denn er woll­te sich in ei­nem nächs­ten Schritt zum Lo­ko­mo­tiv­kon­struk­teur aus­bil­den las­sen. Er ent­schied sich um und schrieb sich an Kunst­aka­de­mi­en ein, 1955 in Stutt­gart, 1957 dann in Ber­lin.

Michel Serres, 88

Der Sohn ei­nes Schif­fers auf der Ga­ron­ne er­leb­te den Auf­stieg Fran­cos und der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten, sah die Flücht­lin­ge aus Spa­ni­en in den Sü­den Frank­reichs strö­men, über­stand den Krieg und er­fuhr dann – sein viel­leicht prä­gends­tes Er­leb­nis – vom Atom­bom­ben­ab­wurf auf Hi­ro­shi­ma und Na­ga­sa­ki. Es be­gann nun eine neue Zeit, in der die Mensch­heit sich der Mög­lich­keit ih­rer ei­ge­nen Ver­nich­tung be­wusst wur­de. Es be­gann die lan­ge Epo­che des Frie­dens. Mi­chel Ser­res stu­dier­te und blieb als Phi­lo­soph ein Mitt­ler zwi­schen Geis­tes- und Na­tur­wis­sen­schaf­ten un­ter der an­ge­nehm luf­ti­gen Be­zeich­nung ei­nes Wis­sen­schafts­his­to­ri­kers. Er ließ sich in kein Spe­zi­al­ge­biet ver­ban­nen. Ser­res schrieb Dut­zen­de Bü­cher, er­lang­te die höchs­ten aka­de­mi­schen Wei­hen und wur­de Mit­glied in der Aca­dé­mie Françai­se. Die Jah­re vor sei­nem Tod ver­brach­te er vor­wie­gend da­mit, gute Lau­ne und Zu­ver­sicht zu ver­brei­ten und sich über die Kul­tur­pes­si­mis­ten zu amü­sie­ren. Mi­chel Ser­res starb am 1. Juni in Vin­cen­nes bei Pa­ris.

Werner Sporleder, 93

In ei­nem In­ter­view an­läss­lich sei­nes 90. Ge­burts­ta­ges klag­te er: »Neue Sa­chen kriegs­te fast nicht mehr auf die Stra­ße.« Ihm lag al­les am Her­zen, was den Ver­kehr si­che­rer macht: Die Fla­cker­la­ter­ne, die an Bau­stel­len hängt, er­dach­te Wer­ner Spor­le­der, das rot-wei­ße Flat­ter­ab­sperr­band und vie­les mehr. Der Zwei­te Welt­krieg hin­der­te ihn, sei­ne kauf­män­ni­sche Aus­bil­dung ab­zu­schlie­ßen, 1945 kam er in Kriegs­ge­fan­gen­schaft. Im Kel­ler bas­tel­te er 1951 die ers­ten Si­cher­heits­u­ten­si­li­en für den sich ra­sant ent­wi­ckeln­den Stra­ßen­ver­kehr. Sei­ne Fir­ma wuchs eben­falls schnell, heu­te zählt die B.A.S. Ver­kehrs­tech­nik AG rund 450 Mit­ar­bei­ter und si­chert nicht nur Au­to­bahn­bau­stel­len, son­dern auch Ver­an­stal­tun­gen al­ler Art. Bis zu­letzt kam er je­den Mor­gen in sei­ne Fir­ma, die Ar­beit war ganz of­fen­sicht­lich sein Le­bens­eli­xir. Wer­ner Spor­le­der starb am 21. Mai in Han­no­ver.

Patricia Bath, 76

Dass sie ein­mal eine welt­weit an­ge­se­he­ne Au­gen­ärz­tin wer­den wür­de, war ei­gent­lich un­wahr­schein­lich. Doch schon an der High­school ar­bei­te­te die in Har­lem ge­bo­re­ne Toch­ter ei­nes Ein­wan­de­rers aus Tri­ni­dad an ei­ner wis­sen­schaft­li­chen Stu­die mit. Als Pa­tri­cia Bath nach dem Me­di­zin­stu­di­um zu­nächst im Har­lem Hos­pi­tal und dann als Au­gen­ärz­tin an der Co­lum­bia Uni­ver­si­ty an­fing, stell­te sie fest, dass schwar­ze Pa­ti­en­ten rund dop­pelt so häu­fig er­blin­de­ten wie wei­ße – das Au­gen­licht von so­zi­al Be­nach­tei­lig­ten zu er­hal­ten wur­de für sie des­halb zu ei­nem An­lie­gen, für das sie ihr Le­ben lang kämpf­te. Da­ne­ben mach­te Bath eine stei­le Kar­rie­re: Sie un­ter­rich­te­te als ers­te Frau das Fach Au­gen­heil­kun­de an der Uni­ver­si­ty of Ca­li­for­nia, Los An­ge­les, und er­hielt als ers­te schwar­ze Ärz­tin ein Pa­tent für ein me­di­zi­ni­sches Ge­rät, für die »La­ser­pha­co Pro­be«, ei­nen La­ser zur Ope­ra­ti­on des grau­en Stars. Pa­tri­cia Bath starb am 30. Mai in San Fran­cis­co.

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