ZEIT­REISE – DER SPIEGEL VOR 50 JAHREN

Aus­ga­be 20/​1969
Strafrechtsreform

Permanenter Angstdruck

Die Abschaffung des Paragrafen 175 war ein Meilenstein für die Akzeptanz der Homosexualität, doch an den Vorurteilen änderte die Gesetzesänderung wenig. Der Homosexuelle war noch immer ein verachtetes, weitgehend unbekanntes Wesen.

Bis 1969 galt Ho­mo­se­xua­li­tät den Ju­ris­ten als »wi­der­na­tür­lich«, als »ver­ach­tens­wer­te Ver­ir­rung«, die ge­eig­net war, das »sitt­li­che Ge­fühl zu zer­stö­ren«. Die Lie­be zwi­schen Män­nern war bis zum In­kraft­tre­ten der Se­xu­al­rechts­re­form ver­bo­ten. So blieb das Ho­mo­se­xu­el­len­ge­setz »das ein­zi­ge wäh­rend der NS-Zeit ver­schärf­te Ge­setz, das noch 24 Jah­re nach Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges gül­tig« war. Für die Schwu­len war »das ›Drit­te Reich‹ noch nicht zu Ende«. Nie­mand kam auf die Idee, wie in der DDR ge­sche­hen, we­nigs­tens zur al­ten Fas­sung des Pa­ra­gra­fen 175 zu­rück­zu­keh­ren, die nur »bei­schla­fähn­li­che Hand­lun­gen« zwi­schen Män­nern ver­bot. Noch im­mer wur­den – etwa in Mün­chen – »Ho­mo­lis­ten« ge­führt, um schnell die »üb­li­chen Ver­däch­ti­gen« vor­la­den zu kön­nen, »so­bald es ir­gend­wo ei­nen Not­zucht­fall oder auch ei­nen Kin­des­mord auf­zu­klä­ren galt«.

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