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Aus­ga­be 14/​1969
Grenzkonflikte

Drohender Mongolen­sturm

Die Tatsache, dass sie sich beide »Kommunisten« nannten, hinderte Russen und Chinesen in keiner Weise, sich bis aufs Blut zu bekämpfen. Die Grenzgefechte der beiden Atommächte offenbarten der Welt eine Hassbeziehung, die von Anfang an unter keinem guten Stern stand.

Den To­ten des ers­ten Schar­müt­zels An­fang März 1969 folg­ten rasch wei­te­re Op­fer, in Re­gi­ments­stär­ke be­krieg­ten sich die Trup­pen in der ost­si­bi­ri­schen Step­pe. Pe­king schimpf­te über die so­wje­ti­sche »Ban­de wil­der so­zi­al-fa­schis­ti­scher Bri­gan­ten«, Mos­kau wet­ter­te ge­gen die »ra­sen­den chi­ne­si­schen Na­tio­na­lis­ten«. Die Ur­sprün­ge der Schüs­se am Grenz­fluss Us­su­ri reich­ten weit zu­rück. Es war kein ge­rin­ge­rer als Sta­lin, der aufs fal­sche Pferd ge­setzt hat­te – in dop­pel­ter Hin­sicht. Der So­wjet­füh­rer sah in Tschiang Kai Schek, dem An­füh­rer der Kuom­intang, die trei­ben­de re­vo­lu­tio­nä­re Kraft in Chi­na; und er emp­fahl dem Ge­ne­ra­lis­si­mus, sich in sei­nem Kampf nach rus­si­schem Vor­bild ganz auf das – in Chi­na kaum vor­han­de­ne – In­dus­trie­pro­le­ta­ri­at zu stüt­zen. Je­nen Mao Ze­dong, der statt­des­sen auf Bau­ern setz­te, hielt Sta­lin noch 1946 für »we­ni­ger tüch­tig«. Er emp­fahl den chi­ne­si­schen Kom­mu­nis­ten, ihre Ar­mee auf­zu­lö­sen und »sich mit Tschiang Kai Schek zu ar­ran­gie­ren«, ob­wohl der sich im Bür­ger­krieg als wah­rer Kom­mu­nis­ten­schläch­ter er­wie­sen hat­te. Es half auch we­nig, dass Mos­kaus Auge in bes­ter Za­ren­tra­di­ti­on »be­stän­dig auf der Man­dschu­rei ruh­te«.

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