Haus­mit­tei­lung

Reu­ter, van Wes­sel

Baghus – kaum je­mand hat­te von dem Ort, der im äu­ßers­ten Os­ten Sy­ri­ens liegt, zwi­schen Eu­phrat und Wüs­te, je zu­vor ge­hört. Für den »Is­la­mi­schen Staat« (IS), des­sen Schre­cken­ska­li­fat in Baghus sei­ne letz­te Zu­flucht und nun sei­nen Un­ter­gang fand, war es das Ende der Welt. Aber auch für Re­por­ter Chris­toph Reu­ter war es eine sei­ner ge­spens­tischs­ten Rei­sen. Kein Mensch mehr weit und breit, die Häu­ser ver­las­sen, man­che zer­stört und vor al­lem: ver­mint. Übe­r­all hat­te der IS auf sei­nem Rück­zug Spreng­fal­len hin­ter­las­sen. Das SPIEGEL-Team mit Reu­ter und dem Fo­to­gra­fen Eddy van Wes­sel quar­tier­te sich mit Kol­le­gen von CNN, AP und »Le Mon­de« in ei­nem ver­las­se­nen Bau­ern­hof ein, auch in der Nähe lau­er­ten Ge­fah­ren: »Tage, be­vor wir ka­men, war ein kur­di­scher Kämp­fer zwei Häu­ser wei­ter beim Brenn­holz­sam­meln auf eine Mine ge­tre­ten und wäre fast ver­blu­tet«, be­rich­tet Reu­ter, »selbst be­vor man aus­tre­ten ging, muss­te erst ein­mal ge­klärt wer­den: Bis zu wel­chem Baum sind die Mi­nen ge­räumt wor­den?« zum Ar­ti­kel

Am Ende ih­rer Re­cher­che wa­ren die Re­dak­teu­re Kon­stan­tin von Ham­mer­stein und Chris­tia­ne Hoff­mann fast ein we­nig er­schro­cken. So düs­ter hat­ten sie die Lage nicht ein­ge­schätzt. Für ihre Ge­schich­te über den 70. Ge­burts­tag der Nato tra­fen sie sich in Ber­lin, Brüs­sel, Mün­chen und Ka­bul mit Mi­nis­tern, Po­li­ti­kern, Ge­ne­rä­len, ho­hen Be­am­ten und Wis­sen­schaft­lern. Vie­le von ih­nen hal­ten ein Ende des Mi­li­tär­bünd­nis­ses für denk­bar, ei­ni­ge so­gar für wahr­schein­lich. »Und auch die Schul­di­gen ste­hen schon fest«, sagt Ham­mer­stein, »es sind Do­nald Trump und die Deut­schen.« zum Ar­ti­kel

Sal­den

In Met­tin­gen, wo die Fa­mi­lie Bren­nink­mei­jer meh­re­re Guts­häu­ser be­sitzt, gibt es we­nig, wo­für die Mul­ti­mil­lio­nä­re hin­ter dem Un­ter­neh­men C&A kein Geld ge­ge­ben ha­ben: Kir­che, Schwimm­bad, Mu­se­um, Kran­ken­haus, Reit­an­la­ge – für al­les ist ge­sorgt, wenn Mit­glie­der des kos­mo­po­li­ti­schen Clans aus Bra­si­li­en, Chi­na oder Aus­tra­li­en an­rei­sen. Die Re­cher­che vor Ort fühl­te sich für Re­dak­teu­rin Si­mo­ne Sal­den oft so an, als spür­te sie ei­nem Ge­heim­bund oder ei­ner Sek­te nach. Man er­zähl­te ihr Ge­schich­ten von fröh­li­chen Fa­mi­li­en­fei­ern, aber auch von Dra­men hin­ter ho­hen Mau­ern. »Der Satz ›Un­ter je­dem Dach ein Ach‹«, so Sal­den, »be­kommt in die­ser streit­ba­ren Fa­mi­lie und in die­ser Stadt eine ganz be­son­de­re Be­deu­tung.« zum Ar­ti­kel

Goos, Schind­ler, At­ten­bo­rough

Kein an­de­rer Na­tur­for­scher und -fil­mer ist der­zeit so ge­fragt wie Da­vid At­ten­bo­rough. Selbst im Al­ter von 92 Jah­ren sind sei­ne Tage ge­füllt mit Ter­mi­nen. Ge­ra­de hat er eine Net­flix-Se­rie fer­tig­ge­stellt, die am 5. April star­tet; er trifft sich mit Po­li­ti­kern und Kli­ma­ex­per­ten, mit Jour­na­lis­ten und Rat­su­chen­den aus al­ler Welt. Sei­ne ei­ge­ne Be­deu­tung spielt er da­bei mit bri­ti­schem Un­der­state­ment her­un­ter. Sein Le­ben sei doch völ­lig un­er­heb­lich, sag­te er den Re­dak­teu­ren Jörg Schind­ler und Hau­ke Goos, als sie ihn in sei­nem Lon­do­ner Haus be­such­ten. Un­ei­tel ist er auch: Als den bei­den Gäs­ten ein Hut auf ei­nem Re­gal auf­fiel, mit Per­len ge­schmückt und mit Leo­par­den­zäh­nen ver­ziert, hol­te er ihn her­un­ter und setz­te ihn auf. »Sei­ne Le­bens­leis­tung«, sagt Schind­ler, »be­steht dar­in, so ziem­lich je­des Ge­schöpf auf die­sem Pla­ne­ten mit der­sel­ben Be­geis­te­rung por­trä­tiert zu ha­ben.« zum Ar­ti­kel