Zum Glück ist 536 vor­bei. Die schlimms­ten Jah­re al­ler Zei­ten sind auch nicht mehr das, was sie mal wa­ren. So­gar das vo­ri­ge Jahr, 2018, wur­de schon als sol­ches be­zeich­net (Kli­ma­wan­del, Rechts­rutsch), 2017 auch (Rechts­rutsch, Kli­ma­wan­del) und 2016 so­wie­so (Brex­it, Zika-Vi­rus, Trump, Kli­ma­wan­del, Rechts­rutsch – und Prin­ce starb, das war wirk­lich schlimm). Ei­gent­lich ist im­mer je­des Jahr das schlimms­te, bis das nächs­te kommt. Wer ein Stück wei­ter zu­rück­blickt, merkt schnell, wie ob­szön die­ses Spiel ist. Hand hoch, wer lie­ber 1919 le­ben wür­de als 2019. Oder 1943 an­yo­ne? Rich­tig mies muss auch 1618 ge­we­sen sein, als der Drei­ßig­jäh­ri­ge Krieg los­ging, wo­bei ei­nem na­tür­lich kei­ner sag­te, dass er 30 schlim­me Jah­re dau­ern wür­de. 1347 kam die Pest in Eu­ro­pa an, 25 Mil­lio­nen Tote. Das wa­ren Ka­ta­stro­phen. Das al­ler­schlimms­te al­ler schlimms­ten Jah­re al­ler Zei­ten war aber wo­mög­lich das Jahr 536. Eine dich­te Wol­ken­de­cke hüll­te die hal­be Welt in Dun­kel­heit, Nacht und Tag, 18 Mo­na­te lang. Tem­pe­ra­tu­ren fie­len, Ern­ten blie­ben aus, Hun­gers­nö­te folg­ten, Krank­hei­ten wü­te­ten. Hät­te es da­mals den Spiegel schon ge­ge­ben, wir hät­ten das gan­ze Jahr lang ein schwar­zes Ti­tel­bild dru­cken kön­nen. »Es war der Be­ginn ei­ner der schlimms­ten Zei­ten, um zu le­ben, wenn nicht das schlimms­te Jahr«, hat der His­to­ri­ker Mi­cha­el Mc­Cor­mick ge­sagt. Schuld war, ver­mut­lich, ein Vul­kan­aus­bruch auf Is­land. Es folg­te die käl­tes­te De­ka­de der letz­ten 2300 Jah­re, sie gilt als Auf­takt zum dunk­len Mit­tel­al­ter, das tau­send Jah­re währ­te. Dar­um, lie­be Zeit­ge­nos­sen des Jah­res 2019, lasst das Ge­gen­warts­ge­jam­mer blei­ben.

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