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All­zu sau­ber ist un­ge­sund. Krie­bel­mü­cken und Nie­ren­wür­mer, Mil­ben und Schna­bel­ker­fen, Gnit­zen al­ler Art, Lun­gen­wurm und Pär­che­ne­gel. Wie eng und ver­traut leb­te es sich doch mit all die­sen Pa­ra­si­ten des Men­schen zu­sam­men, so­gar in den Me­tro­po­len der Zi­vi­li­sa­ti­on. „Wie ein Mensch es hier aus­hält, in die­sem dre­cki­gen Schlupf­win­kel al­ler nur denk­ba­ren Las­ter und Übel, in­mit­ten ei­ner von tau­send fau­li­gen Dämp­fen ver­gif­te­ten Luft, zwi­schen Schlach­te­rei­en, To­te­nä­ckern, Hos­pi­tä­lern, Ab­zugs­rin­nen, Urin­bä­chen, Kot­hau­fen ...“ Das no­tiert ein Zeit­ge­nos­se in Pa­ris um das Jahr 1785. Der So­zi­al­his­to­ri­ker Alain Cor­bin führt den Aus­bruch der Fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on nicht zu­letzt auf den un­er­träg­li­chen Dreck zu­rück. Seit­her hat nicht nur eine „Pri­va­ti­sie­rung des Ex­kre­ments“ statt­ge­fun­den, son­dern ein all­ge­mei­ne De­s­o­do­ri­sie­rung und Säu­be­rung von Stadt und Spra­che. Seit 1840, so Cor­bin, wer­de der Hy­gie­ni­ker als Held ge­fei­ert. Die Ge­ruchs- und Schmutz­to­le­ranz hat in ei­nem Maße nach­ge­las­sen, dass die Me­di­zin den Pa­ra­si­ten schon wie­der hin­ter­her­trau­ert. Man spricht von „Epi­de­mi­en der Ab­senz": Ohne üp­pi­ge Darm­flo­ra, Völ­ker­scha­ren von Mi­kro­or­ga­nis­men, ohne Wur­mer­kran­kun­gen wür­den häu­fi­ger All­er­gi­en auf­tre­ten und Au­to­im­mun­krank­hei­ten. Wer etwa im Dreck und im Ge­stank ei­nes Bau­ern­hofs auf­wach­se, so Schwei­zer For­scher, er­kran­ke we­ni­ger (die­sen Satz bit­te von Kin­dern fern­hal­ten).

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