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Per­so­na­lien

Worte und Taten

Sie gilt als eine der am bes­ten be­zahl­ten Schau­spie­le­rin­nen der Welt, auch die Lis­te ih­rer Aus­zeich­nun­gen und No­mi­nie­run­gen ist ein­drucks­voll. Jen­ni­fer La­wrence, 27, könn­te mal Fe­ri­en ma­chen oder sich ganz und gar auf die nächs­te Rol­le kon­zen­trie­ren, an An­fra­gen dürf­te es nicht man­geln. Doch die US-Ame­ri­ka­ne­rin en­ga­giert sich lie­ber als Mit­glied der Non-Pro­fit-Or­ga­ni­sa­ti­on Re­pre­sent.us, die ge­gen Kor­rup­ti­on in der Po­li­tik kämpft. Ver­gan­ge­nen Sams­tag hielt La­wrence bei der po­li­ti­schen Show „Un­rig­ged Live!“ eine flam­men­de Rede: Die Re­gie­rung sei da­für da, den Bür­gern zu die­nen, die mit ih­ren Steu­er­gel­dern die Po­li­ti­ker fi­nan­zie­ren. Es sei Zeit, Ideo­lo­gi­en und Par­tei­gren­zen zu über­win­den, Zeit, sich zu­sam­men­zu­rau­fen und die US-ame­ri­ka­ni­sche De­mo­kra­tie in Ord­nung zu brin­gen. Aus ih­rer kri­ti­schen Hal­tung zur Re­gie­rung, spe­zi­ell zu Prä­si­dent Trump, hat La­wrence noch nie ein Ge­heim­nis ge­macht. Erst im De­zem­ber er­klär­te sie, sie wür­de ihm gern mal di­rekt die Mei­nung sa­gen und die­se mit ei­nem Mar­ti­ni be­kräf­ti­gen – den sie Trump ins Ge­sicht schüt­ten möch­te.

Ein Herz für Zocker

Für Stim­mung wie nach ei­nem High­s­core sorg­te die CSU-Po­li­ti­ke­rin Do­ro­thee Bär, 39, vo­ri­ge Wo­che in der Com­pu­ter­spiel­bran­che. Der E-Sport habe es in den Ko­ali­ti­ons­ver­trag ge­schafft, ver­kün­de­te die Un­ter­händ­le­rin für den Be­reich Di­gi­ta­les. Die Frän­kin sitzt seit Jah­ren der Jury des Com­pu­ter­spiel­prei­ses vor – sie kam nach ei­ge­nem Be­kun­den einst durch ih­ren Bru­der zum Ga­ming. „Mit der An­er­ken­nung als ei­ge­ne Sport­art mit Ver­eins- und Ver­bands­recht wer­den die letz­ten Hür­den ge­gen­über dem E-Sport be­sei­tigt, und der Ent­wick­lungs­stand­ort Deutsch­land wird deut­lich ge­stärkt“, sagt Bär. Die­se Auf­wer­tung des E-Sports, in dem längst auch Pro­fis zo­cken, er­mög­licht un­ter an­de­rem den Zu­gang zu staat­li­cher Sport­för­de­rung. Die CSU-Frau sieht nun auch ARD und ZDF in der Pflicht, „her­aus­ra­gen­de E-Sport-Er­eig­nis­se im Haupt­pro­gramm“ zu sen­den. Die­ter Ja­n­ecek, Ob­mann der Grü­nen im Aus­schuss Di­gi­ta­le Agen­da, be­wer­tet das En­ga­ge­ment kri­tisch: „Es soll­te nicht Auf­ga­be der Bun­des­re­gie­rung sein, Lob­by­for­de­run­gen der Com­pu­ter­spiel­bran­che in die­ser Form zu un­ter­stüt­zen.“

Schlag auf Schlag

Ih­ren 17. Ge­burts­tag ver­brach­te Ahed Tami­mi hin­ter Git­tern. Die Pa­läs­ti­nen­se­rin war von is­rae­li­schen Si­cher­heits­kräf­ten im De­zem­ber fest­ge­nom­men wor­den, nach­dem sie ei­nem Sol­da­ten ins Ge­sicht ge­schla­gen hat­te – im In­ter­net bald welt­weit zu se­hen. Am 31. Ja­nu­ar, Tami­mis Eh­ren­tag, for­der­ten vie­le jü­di­sche Ame­ri­ka­ner ihre Frei­las­sung. In Is­ra­el hat das Mäd­chen zwar nicht so viel, da­für aber pro­mi­nen­te Un­ter­stüt­zung be­kom­men: Der lan­des­weit be­kann­te Au­tor und Song­schrei­ber Jo­na­than Geffen ver­öf­fent­lich­te ein Ge­dicht auf Ins­ta­gram, in dem er sie als Hel­din fei­ert: „Der Rot­schopf schlug wie Da­vid Go­li­ath / du wirst un­sterb­lich sein / wie Jean­ne d'­Arc, Han­nah Sze­nes und Anne Frank“. Der Ver­gleich ging vie­len Is­rae­lis ent­schie­den zu weit. Der Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter schal­te­te sich ein: Avigdor Lie­ber­man for­der­te den Boy­kott von Geffens Lie­dern im Ra­dio. Der Dich­ter ver­öf­fent­lich­te eine Ent­schul­di­gung, lösch­te das Ge­dicht auf sei­nem Ins­ta­gram-Ac­count aber nicht. Die Ge­richts­ver­hand­lung ge­gen Tami­mi wur­de auf den 13. Fe­bru­ar ver­scho­ben.

Mit Pink Floyd im Keller

Am ver­gan­ge­nen Diens­tag gab der Schrift­stel­ler Saša Sta­nišić, 39, in der Ham­bur­ger Frei­en Aka­de­mie der Küns­te eine hu­mor­vol­le Lek­ti­on über das Ver­hält­nis von Fik­ti­on und Wirk­lich­keit. Mehr als eine Stun­de lang stand der Au­tor, we­gen ei­nes He­xen­schus­ses leicht ge­han­di­capt, am Pult und trug Tex­te „zu Hei­ma­ten“ aus sei­nen Zür­cher Poe­tik­vor­le­sun­gen vor. Der in Bos­ni­en ge­bo­re­ne und mit 14 Jah­ren nach Hei­del­berg ge­flo­he­ne Au­tor be­rich­te­te von ei­nem In­ter­view, das er der „Neu­en Zür­cher Zei­tung“ (NZZ) ge­ge­ben hat. Sein Va­ter habe, so er­zähl­te es Sta­nišić dem Jour­na­lis­ten, da­heim in Bos­ni­en vor der Flucht heim­lich im Kel­ler im­mer düs­te­re­re Land­schafts­bil­der ge­malt. Und dass sein Va­ter Joints ge­raucht und Pink Floyd ge­hört habe beim Ma­len im Kel­ler, das habe er dem Jour­na­lis­ten auch er­zählt. Da­bei habe sein Va­ter, ge­nau wie er selbst, Pink Floyd noch nie lei­den kön­nen. Aber es habe al­les so gut ge­passt, als er mit dem Jour­na­lis­ten sprach. Das Pu­bli­kum johl­te. Liest man den NZZ-Ar­ti­kel nach, fin­det sich kei­ne Spur von Pink Floyd oder Joints. Dar­auf an­ge­spro­chen, er­klärt Sta­nišić, die Aus­schmü­ckung habe er viel­leicht frü­her mal an an­de­rer Stel­le vor­ge­nom­men. Und schon die Fi­gur des ma­len­den Va­ters sei fik­tio­nal ge­we­sen. Er il­lus­trier­te so aber et­was Rea­les: eine At­mo­sphä­re von Heim­lich­keit und Angst. „Am Ende“, so Sta­nišić, „weiß ich selbst nicht, was wahr – aber da­für im­mer­hin, was un­wahr ist.“ So funk­tio­niert gute Li­te­ra­tur.

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