>

Es­say

Das Elend der Christ­de­mo­kraten

Die CDU steckt in der Sinnkrise, und das ist gefährlich. Sie muss ihre Konturen schärfen, ohne nach rechts zu driften.
Von Jan-Werner Müller

Eben re­de­ten noch alle über die Selbst­quä­le­rei, ja viel­leicht gar Selbst­zer­stö­rung der SPD. Mer­kels Kon­zes­sio­nen an die Par­tei und der ge­fühl­te Sieg in den Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen ha­ben die So­zi­al­de­mo­kra­ten ihre exis­ten­zi­el­len Sor­gen erst ein­mal ver­ges­sen las­sen. Tat­sa­che ist oh­ne­hin, dass die meis­ten Wäh­ler im­mer noch ei­ni­ger­ma­ßen wis­sen, für wel­che Wer­te die SPD ein­steht; der Vor­wurf, sie habe ihre Idea­le ver­ra­ten, setzt vor­aus, dass man eine Vor­stel­lung die­ser Idea­le hat. Das ist bei Kon­ser­va­ti­ven und Christ­de­mo­kra­ten heu­te bei Wei­tem nicht so – ein Pro­blem, das sich mit wohl vier wei­te­ren Jah­ren so­zi­al­de­mo­kra­ti­scher Herr­schaft un­ter ei­ner CDU-Kanz­le­rin noch ein­mal ver­schär­fen dürf­te. Die­ses Pro­blem, dass ihre Prin­zi­pi­en so gut wie un­kennt­lich ge­wor­den sind, darf man nicht Alex­an­der Do­brindt mit sei­nem fri­vo­len Schwa­dro­nie­ren von der „kon­ser­va­ti­ven Re­vo­lu­ti­on“ über­las­sen. Wenn „Passt scho“-Kon­ser­va­ti­ve kei­ne ei­ge­nen Prin­zi­pi­en – und da­mit auch im Zwei­fels­fall kei­ne Gren­zen – mehr ken­nen, pro­fi­tie­ren die Rechts­po­pu­lis­ten. Die Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit der so­ge­nann­ten Main­stream-Par­tei­en und der dar­aus re­sul­tie­ren­de Op­por­tu­nis­mus ha­ben bei al­len Tri­um­phen von Rechts­po­pu­lis­ten noch stets eine ent­schei­den­de Rol­le ge­spielt.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer SPIEGEL-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 7/2018.