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Nils Mink­marZur Zeit

Spre­chen Sie GroKo?

Eine län­ge­re Re­gie­rungs­bil­dung lie­ße sich bes­ser über­ste­hen, wenn die Be­tei­lig­ten mit der Spra­che pfleg­li­cher um­gin­gen. Man­che Aus­drü­cke ver­brei­ten sich vi­ral: sind über­all und ver­ur­sa­chen Kopf­schmer­zen. Da ist etwa die „sach­grund­lo­se Be­fris­tung“ von Ar­beits­ver­trä­gen. Ich hat­te zwar von ei­nem Jagd­grund, ei­nem Schei­dungs­grund oder ei­nem Wie­sen­grund ge­hört, aber nie von ei­nem Sach­grund. Je­der Grund taugt, um et­was zu be­grün­den – ob man ihn von ei­ner Sa­che her­lei­tet oder nicht. Ganz ver­flixt wird es, wenn das Feh­len ei­nes sol­chen Sach­grunds fest­ge­stellt und eben­die­ses Feh­len dann kri­ti­siert wird. Ge­meint ist wohl Fol­gen­des: Das Ar­beits­ver­hält­nis kann bis zu je­nem Zeit­punkt be­fris­tet wer­den, an dem die Ar­beit ge­tan ist, wenn bei­spiels­wei­se die Ern­te ein­ge­fah­ren ist. Der Ver­trag soll nicht dann en­den, wenn es für den Ar­beit­ge­ber ir­gend­wie prak­tisch ist. Im Deut­schen könn­te man von ei­ner grund­lo­sen Be­fris­tung re­den. Oder, wenn man es zu­spit­zen möch­te, von ei­ner will­kür­li­chen. An­de­re Wör­ter wie­der­um wer­den ge­mie­den, als wür­de bei ih­rer Aus­ru­fung der Leib­haf­ti­ge in der Schwe­fel­wol­ke er­schei­nen. Dazu zählt die Ober­gren­ze für Flücht­lin­ge. Nie­mand er­wähnt sie, nie­mand schreibt sie auf. So weit kein Pro­blem, ich zum Bei­spiel ver­mis­se sie nicht. Das Pro­blem ent­steht nur, wenn man eine Ober­gren­ze be­schlos­sen hat und den­noch ih­ren Na­men nicht nennt. Wer von ei­ner Ober­gren­ze nicht re­den möch­te, soll kei­ne be­schlie­ßen. So­oft das Feh­len des Sach­grunds be­män­gelt wird, so hef­tig wird die Prä­senz der Ober­gren­ze be­schwie­gen.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 7/2018.