>

Ko­lum­ne

12 Wochen in Riad

Seit mehr als 40 Jah­ren wird die Tren­nung von Frau­en und Män­nern in Sau­di-Ara­bi­en be­son­ders streng ge­hand­habt. Doch selbst hier zeigt der neue re­for­me­ri­sche Geist Wir­kung, im All­tag tref­fen die Ge­schlech­ter im­mer häu­fi­ger auf­ein­an­der. Neu­lich lud ich in Riad ein Dut­zend sau­di-ara­bi­sche und in­ter­na­tio­na­le Gäs­te zum Abend­es­sen ein. „Kom­men Frau­en?“, fragt Kha­lil, mein Mu­si­ker-Freund, vor­her am Te­le­fon. „Na­tür­lich“, sage ich. „Hast du dei­nen Ver­mie­ter ge­fragt?“, will er wis­sen. „Na­tür­lich nicht“, ant­wor­te ich. Sit­ten­wid­rig­kei­ten sol­cher Art wa­ren bis vor Kur­zem ein kla­rer Fall für die „Haia“, die Re­li­gi­ons­po­li­zei, die auch in Pri­vat­häu­ser ein­drang. Dazu sind die bär­ti­gen Mo­ral­wäch­ter al­ler­dings seit knapp zwei Jah­ren nicht mehr be­rech­tigt. Ger­ne hät­te ich als Münch­ne­rin baye­risch ge­kocht: Schwei­ne­bra­ten mit Knö­deln und Sa­lat. Aber das geht lei­der nicht. Es gibt Ha­l­al-Rou­la­den, ohne Speck, Trau­ben­saft statt Wein, dazu al­ko­hol­frei­es Hols­ten-Bier. Ei­ner mei­ner Gäs­te, ein ge­bil­de­ter Sau­di-Ara­ber aus der Ost­pro­vinz, bit­tet um „Spe­cial Tea“. Ich bie­te grü­nen Tee und fri­sche Min­ze. Ein lan­des­kun­di­ger Gast be­lehrt mich je­doch un­auf­fäl­lig, der Herr fra­ge ver­mut­lich ver­klau­su­liert nach Al­ko­hol. Über den ver­fü­gen hier näm­lich oft Aus­län­der mit gu­ten Ver­bin­dun­gen zu west­li­chen Bot­schaf­ten. Ich lei­der nicht. Wie sich her­aus­stell­te, such­te mein Gast aber tat­säch­lich nur eine be­stimm­te Sor­te der deut­schen Fir­ma TeeG­schwend­ner, die hier in aus­ge­such­ten Shop­ping­malls er­hält­lich ist.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer SPIEGEL-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 7/2018.