»Dabei gab es nie eine Familie«

MIGRATION Dass sie Rechte haben, können sie nicht glauben. Hier in Deutschland erfahren diese Frauen fern ihrer Heimat zum ersten Mal davon – im Frauenhaus, auf der Flucht vor Schlägen.
Von Laura Backes

Ge­walt­op­fer Kha­tun im In­ter­na­tio­na­len Frau­en­haus in Düs­sel­dorf»Alle sa­gen, es sei mei­ne Schuld – es ist im­mer die Frau, die ver­sagt, wenn der Mann sich trennt«

Jahu­ra Kha­tun, 36, kam 2016 aus Ban­gla­desch nach Düs­sel­dorf, um dort mit ih­rem Mann zu­sam­men­zu­le­ben. Ein Jahr und acht Mo­na­te spä­ter zog sie ins In­ter­na­tio­na­le Frau­en­haus. Kha­tun sagt: Ich kann mich nicht er­in­nern, wie oft mein Ehe­mann ge­walt­tä­tig wur­de. Er be­schimpf­te mich als Pro­sti­tu­ier­te, ver­prü­gel­te mich, eine Ta­ges be­droh­te er mich mit ei­nem Mes­ser. Vor Angst konn­te ich nachts nicht mehr schla­fen. Als er ein­mal mit ei­ner Steh­lam­pe auf mich ein­schlug, tat mein Kopf hin­ter­her so weh, dass ich mich den gan­zen Tag über­ge­ben muss­te. Mei­ne Haus­ärz­tin war nicht da, des­halb ging ich ins Kran­ken­haus. Die Ärz­tin woll­te die Po­li­zei ru­fen, aber ich hielt sie da­von ab. Ich dach­te da­mals noch, da­mit wür­de ich mei­ne Fa­mi­lie zer­stö­ren. Da­bei gab es nie eine Fa­mi­lie. Ich hoff­te, al­les wür­de gut, wenn wir ein Kind krie­gen. Aber ich habe kein Kind. Er kam nie zu mir. Nie. Ich durf­te ihn nicht mal an­fas­sen oder an­spre­chen. Ich koch­te, er nahm das Es­sen und ging in sein Zim­mer. Ich putz­te und bü­gel­te die gan­ze Zeit. Ich war nur ein Haus­mäd­chen. Das war mein Le­ben. Ich war ganz al­lein auf der Welt.

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