Im Zwielicht

Die Schriftstellerin Wioletta Greg beleuchtet in ihrem Roman Unreife Früchte das Halbdunkel der polnischen Provinz.
Von Jurek Skrobala

DORT, WO DIE KIN­DER noch an den But­ze­mann glau­ben und die Er­wach­se­nen an Ge­wit­ter, die von ge­tö­te­ten Spin­nen her­rüh­ren. Wo nie­mals Flie­gen die Hei­li­ge Jung­frau auf dem Ma­ri­en­bild be­de­cken dür­fen, Gott be­wah­re. An ei­nem Ort, an dem die Men­schen gleich­sam auf die Na­tur, die Tie­re und das Wet­ter hö­ren wie auf den Pries­ter in der Sonn­tags­pre­digt. Ei­nem Ort, der aus heu­ti­ger Sicht fremd er­scheint. Weit ent­fernt. Na­he­zu mit­tel­al­ter­lich, so sehr sind Glau­ben und Aber­glau­ben hier ver­wo­ben. Dort spielt Wio­let­ta Gregs au­to­bio­gra­fi­scher Ro­manUn­rei­fe Früch­te – und doch in Raum und Zeit recht nah: vor der Wen­de, im Nach­bar­land Po­len. Ge­nau­er: in den Sieb­zi­ger- und Acht­zi­ger­jah­ren, den letz­ten Jahr­zehn­ten der so­zia­lis­ti­schen Volks­re­pu­blik Po­len, in ei­nem Dorf na­mens Hekt­ary. Gott, Na­tur und Par­tei tei­len sich die Herr­schaft, Wiol­ka, die Er­zäh­le­rin und Haupt­fi­gur des Ro­mans, wächst hier auf; wird vom Mäd­chen zur Frau. Un­rei­feFrüch­te er­zählt poe­tisch und mo­sa­ik­ar­tig die Ge­schich­te vom Ende der Kind­heit am ge­fühl­ten Ende der Welt – vom Au­gen­blick, als Wiol­ka ihre Groß­mut­ter fragt, ob sie dar­an ster­ben kön­ne, dass sie zum ers­ten Mal ihre Tage hat, zum Mo­ment, als ein Kind­heits­freund sei­ne Hand in Wiol­kas Slip steckt.

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