Na, denn prost! 1953 be­rich­te­te der Spiegel über die Ein­füh­rung der ers­ten Pro­mil­le­gren­ze für den deut­schen Stra­ßen­ver­kehr, die bei sa­gen­haf­ten 1,5 Pro­mil­le lag. Der Au­tor rech­ne­te prak­ti­scher­wei­se gleich vor, ab wel­cher Men­ge kon­su­mier­ten Al­ko­hols man als Au­to­mo­bi­list Ge­fahr läuft, die Mar­ke zu rei­ßen: zwei­ein­vier­tel Li­ter Nor­mal­bier, neun Glä­ser Korn oder ein Li­ter Mo­sel­wein. Biss­chen drun­ter blei­ben, und man kam durch. Oder auch nicht: 1975 star­ben in West­deutsch­land im Schnitt je­den Tag zehn Men­schen durch Trun­ken­heit am Steu­er. Wo­bei die ent­spre­chen­de Zah­len­rei­he des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts nicht un­ter­schei­det zwi­schen be­sof­fe­nen Tä­tern und zu­fäl­li­gen Op­fern auf der Ge­gen­fahr­bahn, nicht zwi­schen ra­sen­den Mör­dern und über­fah­re­nen Schul­kin­dern. Tot wa­ren sie alle, ums Le­ben ge­bracht auf die sinn­lo­ses­te Wei­se. Zehn Men­schen! Pro Tag! Die Pro­mil­le­gren­ze wur­de erst auf 1,3 ab­ge­senkt (1966), auf 0,8 (1973), auf 0,5 (1998), was bis heu­te gilt. Die Zahl der Al­koho­lo­p­fer in Deutsch­land ist in den ver­gan­ge­nen 40 Jah­ren um rund 95 Pro­zent ge­sun­ken, auf 225 im Jahr 2016. Ähn­lich dra­ma­tisch sank in die­ser Zeit­span­ne die Zahl der Ver­kehrs­to­ten ins­ge­samt – von mehr als 20 000 An­fang der Sieb­zi­ger­jah­re auf heu­te rund 3300. Also al­les gut, Ziel er­reicht? Der Rest bleibt »freie Fahrt für freie Bür­ger«? Kei­nes­wegs. Die Zi­vi­li­sie­rung des deut­schen Au­to­fah­rers ist ein Pro­zess, der so lang­sam ver­läuft, dass die Leu­te sei­ne Seg­nun­gen gar nicht be­mer­ken, doch die­ser Pro­zess kann und muss wei­ter­ge­hen. Nächs­te Aus­fahrt: Tem­po­li­mit.

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