Nils Mink­mar Zur Zeit

Dunkles Brot

Dem Mann war nach ei­nem Ge­ständ­nis, und zwar mit­ten im Re­gio­nal­zug. Es war ge­ra­de mal halb sie­ben am Mor­gen, aber er konn­te es nicht län­ger für sich be­hal­ten: »Ich esse sehr gern dunk­les Brot!« Er ver­folg­te mit die­ser Aus­sa­ge eine In­ten­ti­on, näm­lich die sym­pa­thi­sche Frau ne­ben ihm zu be­ein­dru­cken, und das schien so weit auch zu klap­pen. Bei­de freu­ten sich über das Be­kennt­nis zum dunk­len Brot, das eine höf­li­che Ab­sa­ge war an Weiß­brot, Toast­brot und Wei­zen­bröt­chen. Dunk­les Brot, das klang nach Kin­der­zei­ten, Pro­vinz, lo­ka­ler Pro­duk­ti­on und fröh­li­cher Darm­flo­ra. Es ging, der Kon­text ih­rer Un­ter­hal­tung mach­te es klar, um Dis­tink­ti­on durch Nah­rungs­mit­tel und da­mit um das zen­tra­le The­ma der Zeit und des Lan­des. Wo man frü­her über Ka­pi­ta­lis­mus, Mar­xis­mus und die Qua­li­tät der Po­li­ti­ker stritt, geht es heu­te um Fleisch­kon­sum und Voll­korn­ret­tung. Und wer meint, dass wir in pos­tideo­lo­gi­schen Zei­ten le­ben, möge doch beim El­tern­abend vor­schla­gen, den Kin­dern beim Wan­der­tag ein Wurst­bröt­chen, Voll­milch­scho­ko­la­de und eine Dose Cola mit­zu­ge­ben, wie frü­her. Eben­so gut könn­te man He­ro­in an­prei­sen.

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