Otto von Bis­marck, der alte Zy­ni­ker, führ­te 1889 die Ren­te ein. Mit 70 Jah­ren war Schluss mit der Acke­rei und Fei­er­abend. Das war leicht zu fi­nan­zie­ren, lag die durch­schnitt­li­che Le­bens­er­war­tung für Män­ner bei der Ge­burt da­mals doch bei 37 Jah­ren. Und heu­te? »Jede Wo­che ver­län­gert sich un­ser Le­ben um ein Wo­chen­en­de«, schreibt der Al­ters­for­scher Rudi Wes­ten­dorp. Das freut uns, schreckt aber die Ren­ten­ver­si­che­rer. Bis die Ren­te mit 67 voll­stän­dig in Kraft ist, im Jahr 2029, wird die Le­bens­er­war­tung wohl um drei Jah­re ge­stie­gen sein. Krie­ge gibt es auch nicht mehr hier­zu­lan­de. Seit Ade­nau­er hat sich die Ren­ten­be­zugs­dau­er im Schnitt fast ver­dop­pelt. 1960 dau­er­te ein Ru­he­stand rund 10 Jah­re, heu­te 20. Und ein heu­te ge­bo­re­nes Kind hat durch­aus Aus­sich­ten, 30 Jah­re lang Rent­ner zu sein, selbst wenn bis da­hin die Ren­te mit 70 ein­ge­führt wor­den sein soll­te (eine pro­gram­ma­ti­sche Po­si­ti­on, die jede Par­tei an den Rand der Fünf­pro­zent­klip­pe trei­ben wür­de). In den So­zi­al­mi­nis­te­ri­en wer­den der­zeit Sze­na­ri­en durch­ge­rech­net, was pas­siert, wenn die Ba­by­boo­mer dem­nächst in Ren­te ge­hen. Kei­ne graue Mas­se, son­dern turn­schuh­fit in zwei­ter Ehe, frisch ge­tönt und ta­ten­durs­tig: ein Alb­traum für je­den Ren­ten­kas­sen­wart. Und in schwa­chen Mo­men­ten mag er sehn­süch­tig nach Afri­ka schau­en, wo es in der Re­gel kei­ne Al­ters­ren­te gibt. Als Aus­weg bleibt nur, die Gren­zen zwi­schen ak­tiv und pas­siv zu ver­wi­schen: Teil­ru­he­stands­mo­del­le, Se­ni­or-Ex­per­ten-Fir­men, die Rent­ner wie­der in die Be­schäf­ti­gung zu­rück­ho­len, fle­xi­ble­re Ta­rif- und Ar­beits­ver­trä­ge und flie­ßen­de Über­gän­ge.

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