Nichts ist erledigt

Geschichte  Der Historiker Christopher Clark versucht, in der Geschichte die Probleme der Gegenwart zu sehen. »Zeit und Macht« heißt sein neues Buch, es schlägt den Bogen von Friedrich dem Großen und Bismarck zu Brexit und Donald Trump.

Au­tor Clark: »Wir ha­ben kei­ne Ori­en­tie­rung mehr«

Es ist Diens­tag­mor­gen, kurz nach zehn Uhr, und die Stu­die­ren­den des His­to­ri­schen In­sti­tuts der Uni­ver­si­tät Cam­bridge ver­schan­zen sich erst ein­mal hin­ter ih­ren Lap­tops, wäh­rend ihr Do­zent mit der Tech­nik kämpft. Die ge­schei­ter­te eu­ro­päi­sche Re­vo­lu­ti­on von 1848 wird durch­ge­nom­men, und Chris­to­pher Clark hat zu­nächst Mühe, die Teil­neh­mer des Se­mi­nars auf Tou­ren zu brin­gen. Er zieht küh­ne Ver­bin­dun­gen zur Ge­gen­wart, zu Trump und zum Neo­li­be­ra­lis­mus. Der lin­ke Öko­nom Tho­mas Pi­ket­ty wird zi­tiert. La­bour-Chef Je­re­my Cor­byn wird ver­spot­tet, des­sen ein­zi­ge Wert­schät­zung für Eu­ro­pa, so Clark, dar­in be­ste­he, dass es gut für die Strän­de und für die Bie­nen sei. Nun sol­len die Stu­die­ren­den eine Quel­le vor­le­sen, aber sie sind gut er­zo­gen und re­den viel zu lei­se. Clark er­in­nert sie dar­an, dass es sich um Tex­te aus der Re­vo­lu­ti­on han­delt, er­mun­tert sie, laut zu le­sen, wü­tend zu sein. Und bald hat er sein Pu­bli­kum: Die an­ge­hen­den His­to­ri­ke­rin­nen und His­to­ri­ker de­kon­stru­ie­ren die Quel­len, er­ken­nen pa­tri­ar­cha­li­sche Ele­men­te in den Sprach­bil­dern, ar­bei­ten mit ei­ner Be­geis­te­rung für Nu­an­cen die di­ver­sen ideo­lo­gi­schen Po­si­tio­nen im Pa­ris des Som­mers 1848 her­aus.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 46/2018.