Mer­kurs Kol­le­gen. In Zei­ten von Fake News sind gute Nach­rich­ten zur Pres­se sel­ten ge­wor­den. Die Wahr­heit ist aber auch: Nie war es ein­fa­cher als heu­te, gut in­for­miert zu sein. Und wur­de je mehr ge­le­sen, mehr ge­schrie­ben, mehr dis­ku­tiert, mehr hin­ter­fragt? Wer heu­te über die Fil­ter­bla­se jam­mert, muss be­rück­sich­ti­gen, dass der Zu­gang zu In­for­ma­tio­nen über Jahr­hun­der­te das Vor­recht der Pri­vi­le­gier­ten war. Als 1674 »Der ver­klei­de­te Göt­ter-Both Mer­cu­ri­us« er­schien, ver­mut­lich Deutsch­lands ers­te Pu­bli­kums­zeit­schrift, wur­de sie ein Jahr spä­ter wie­der ein­ge­stellt. Zu teu­er in der Her­stel­lung, zu ge­ring das In­ter­es­se. Nach Schät­zun­gen des Wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tuts für Pres­se­for­schung gab es im ge­sam­ten 17. Jahr­hun­dert ge­ra­de ein­mal 57 Zeit­schrif­ten. Im 18. Jahr­hun­dert durch­schnitt­lich 50 Ti­tel pro Jahr, kei­ne da­von hielt sich lan­ge. Zeit­schrif­ten wa­ren kost­spie­lig im Abo und sel­ten im Buch­han­del er­hält­lich. Um 1880 hat­te eine Bahn­hofs­ver­kaufs­stel­le etwa 50 Zeit­schrif­ten im An­ge­bot, heu­te sind es meh­re­re Tau­send in­ter­na­tio­na­le Ti­tel. Ein­zel­ver­kauf und Ki­osk be­gan­nen erst im 20. Jahr­hun­dert. Kriegs­be­dingt 1945 auf nur 13 Ti­tel re­du­ziert, stieg die An­zahl der deut­schen Zeit­schrif­ten kon­ti­nu­ier­lich, Fach­zeit­schrif­ten nicht mit­ge­rech­net. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den 1592 Pu­bli­kums­zeit­schrif­ten ge­zählt, so vie­le wie nie. Wer über die zahl­rei­chen Neu­grün­dun­gen die Nase rümpft, soll­te sich klar­ma­chen, dass sie der zu­neh­men­den Viel­falt un­se­res Le­bens fol­gen. Es ist des­halb eine gute Nach­richt, dass die Deu­tung die­ser Welt nicht mehr al­lein Mer­kur ob­liegt, dem Gott der Händ­ler und Die­be.

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