Per­so­na­lien

Große Erwartungen

• We­der den Ti­tel noch das ge­naue Er­schei­nungs­da­tum ih­res neu­en Al­bums hat So­lan­ge Know­les, 32, bis­her ver­ra­ten. Nur dass »eine Men­ge Jazz« drin­ste­cke, zu­gleich will sie es rich­tig kra­chen las­sen. Das Al­bum könn­te even­tu­ell noch in die­sem Jahr ver­öf­fent­licht wer­den. So­lan­ge ist schon längst mehr als die klei­ne Schwes­ter von Beyon­cé, dem Su­per­star. Ihr vo­ri­ges Al­bum, »A Seat at the Ta­ble«, war so­wohl kom­mer­zi­ell als auch künst­le­risch er­folg­reich. Spe­zi­ell vor dem Hin­ter­grund der Black-Li­ves-Mat­ter-Be­we­gung ent­fal­ten ihre Songs eine de­zi­diert po­li­ti­sche Di­men­si­on. Know­les be­schränkt ihre Krea­ti­vi­tät seit ei­ni­ger Zeit nicht mehr auf die Mu­sik. Ihre Per­for­mance im Gug­gen­heim Mu­se­um mit Skulp­tu­ren und Tän­zern sorg­te be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr für Auf­se­hen. Das »New York Times Style Ma­ga­zi­ne« hat sie des­halb jetzt zur »Uni­ver­sal­künst­le­rin« ge­krönt. Der Zeit­schrift ge­stand Know­les ein ge­wis­ses Lam­pen­fie­ber we­gen des neu­en Al­bums: »Ich habe eine kör­per­lich spür­ba­re Angst da­vor, mit mei­ner Ar­beit an die Öffent­lich­keit zu ge­hen.« Sie ken­ne aber kei­nen Künst­ler, dem es an­ders er­ge­he.

Man trifft sich immer zweimal

• Vor 30 Jah­ren schwor er der Büh­ne ab. Da­mals spiel­te er kurz hin­ter­ein­an­der den Kö­nig Lear, dann den männ­li­chen Ti­tel­hel­den in »An­to­ni­us und Kleo­pa­tra«. Sein Ver­zicht, so er­klärt es jetzt der mit ei­nem Os­car aus­ge­zeich­ne­te Schau­spie­ler An­t­ho­ny Hop­kins, 80, der »New York Times«, re­sul­tier­te aus ei­nem Ge­fühl der Un­zu­läng­lich­keit. Er habe sich sei­nen Kol­le­gen nicht eben­bür­tig ge­fühlt, sei zu un­si­cher ge­we­sen. Ge­ra­de beim Kö­nig Lear habe er sich zu sehr an­ge­strengt und des­we­gen ver­sagt. Jetzt woll­te er zei­gen, dass er »Aus­dau­er und Chuz­pe« hat und wag­te sich doch noch ein­mal an Shake­speare her­an: als Kö­nig Lear in ei­ner am­bi­tio­nier­ten TV-Ad­ap­ti­on. Der Film wur­de von der BBC und Ama­zon pro­du­ziert und kann ge­streamt wer­den. Emma Thomp­son, die Lears Toch­ter Go­ne­ril spielt, be­rich­tet von den Dreh­ar­bei­ten als et­was sehr Be­son­de­rem: Das En­sem­ble habe sich »pri­vi­le­giert ge­fühlt«, Hop­kins die­se Rol­le meis­tern zu se­hen. Er sei ei­ner der ganz gro­ßen zeit­ge­nös­si­schen Schau­spie­ler und Kö­nig Lear eine der größ­ten Rol­len, die je ge­schrie­ben wur­den.

Karotten zum Abschied

• Auch mit 92 Jah­ren lässt es sich Kö­ni­gin Eliz­a­beth II. nicht neh­men, Bot­schaf­ter bei der Ak­kre­di­tie­rung per­sön­lich zu emp­fan­gen. Kürz­lich folg­te der neue deut­sche Ver­tre­ter in Lon­don, Pe­ter Wit­tig, 64, der Ein­la­dung Ih­rer Ma­jes­tät. Mit zwei kö­nig­li­chen Kut­schen wur­de er in Be­glei­tung sei­ner Ehe­frau und vier Mit­ar­bei­tern zum Bucking­ham Pa­lace ge­fah­ren. Wich­tig war an die­sem Tag ne­ben dem Be­glau­bi­gungs­schrei­ben, das Wit­tig bei der Au­di­enz über­reich­te, ein Beu­tel Ka­rot­ten. Denn die Tra­di­ti­on ver­langt, dass nach der Rück­fahrt die Pfer­de ge­füt­tert wer­den – eine Auf­ga­be, die Wit­tigs zehn­jäh­ri­ge Toch­ter Fe­li­ce über­nahm. Der Bot­schaf­ter war nach dem Ge­spräch mit der Queen »von ih­rer warm­her­zi­gen und nach­denk­li­chen Art sehr be­ein­druckt«. Sie habe als Staats­ober­haupt »un­er­müd­lich Brü­cken ge­baut – be­son­ders auch zwi­schen Deutsch­land und dem Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich«. Er selbst wol­le »in die­sen schwie­ri­gen Brex­it-Zei­ten« sei­ne gan­ze di­plo­ma­ti­sche Kri­sen­er­fah­rung nut­zen, um die Be­zie­hun­gen der bei­den Län­der zu pfle­gen.

Wollpulli für die Seele

• Wenn der End­los­s­om­mer 2018 nun also doch en­det, wenn auch die­ses Jahr die Uh­ren um­ge­stellt wer­den auf Win­ter­zeit, dann hilft nur ein Buch wie die­ses: das »Win­ter­ta­ge­buch« des bri­ti­schen Koch­buch­poe­ten Nigel Sla­ter, 62. »Der Win­ter ist da«, ruft er in die sup­pi­ge Stim­mung hin­ein, »ich kann wie­der at­men.« An Kind­heits­som­mer hat Sla­ter kaum Er­in­ne­run­gen. »Es sind die Win­ter, die mir im Ge­dächt­nis ge­blie­ben sind, tief ein­ge­gra­ben wie Fjor­de, lang und klar wie Eis­zap­fen.« Und Er­in­ne­run­gen sind seit je die wich­tigs­ten Zu­ta­ten sei­ner Ge­rich­te. Die Drinks, schreibt er, sei­en im Win­ter an­ders als im Som­mer, dunk­ler, sü­ßer, al­ko­hol­hal­ti­ger, sie hät­ten mehr Wumms, so wie das Es­sen im Win­ter auch mehr Wumms habe, mehr Zu­cker, mehr Fett, mehr Er­in­ne­run­gen. Sla­ter setzt auf fet­te Me­ta­phern und zuck­ri­ge Bil­der, sei­ne Spra­che ist reich an Aro­men. Und so macht schon das Le­sen sei­ner Bü­cher satt. Was nicht un­wich­tig ist, denn über der Lek­tü­re ver­gisst man bei Sla­ter leicht das Ko­chen. »Das Win­ter­ta­ge­buch« ist ein Woll­pul­li für die See­le. Eine Hym­ne auf den Win­ter, oft knapp am Kitsch vor­bei – und manch­mal mit­ten­rein. Aber auch da­für kann man den Win­ter ja mö­gen: Es ist nun wie­der er­laubt, sen­ti­men­tal zu sein.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 44/2018.