Dschörms

Leitkultur  Alexander Osang über deutsche Mottos

Vori­ge Wo­che war ich zum zwei­ten Mal in mei­nem Le­ben in Lud­wigs­ha­fen. Ich woll­te ei­nen bes­se­ren Ein­druck be­kom­men. Beim ers­ten Mal blieb ich nur eine knap­pe Stun­de. Ich hat­te mir da­mals an­se­hen wol­len, wie Lud­wigs­ha­fen Ab­schied von sei­nem be­rühm­ten Bür­ger Hel­mut Kohl nahm. Ich sah eine ver­wahr­los­te Geis­ter­stadt, durch die ein To­ten­au­to roll­te, es­kor­tiert von Mo­tor­rä­dern. Das war im ver­gan­ge­nen Jahr. Es nie­sel­te, und mir ging es nicht gut. Ich schrieb eine Ko­lum­ne, in der ich be­haup­te­te: »Ver­gli­chen mit Lud­wigs­ha­fen wirk­te je­der Piss­bahn­hof in Vor­pom­mern wie ein blü­hen­der Zu­kunfts­ort.« Es soll­te nicht ver­ächt­lich klin­gen, son­dern trau­rig, aber das kam in Lud­wigs­ha­fen nicht an. Es gab ei­nen klei­nen Shits­torm un­term Hash­tag #Piss­bahn­hof, die Lo­kal­zei­tung in­ter­view­te mich, Bür­ger lu­den mich ein, um mir ihre Stadt zu zei­gen, und am Jah­res­en­de be­kam ich ei­nen Ka­len­der mit den schöns­ten Bil­dern von Lud­wigs­ha­fen.

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