Per­so­na­lien

#MeToo auf Indisch

• Vor zehn Jah­ren such­te sie schon ein­mal die Öffent­lich­keit, fand je­doch kein Ge­hör. Jetzt steht Bol­ly­wood kopf: Ta­nu­shree Dut­ta, 34, in­di­sche Schau­spie­le­rin und ehe­ma­li­ge Schön­heits­kö­ni­gin, stieß die seit ei­nem Jahr ge­führ­te #Me­Too-De­bat­te auch in ei­ner der größ­ten Film­in­dus­tri­en der Welt an. Dut­ta wie­der­hol­te in ei­nem Tweet An­schul­di­gun­gen ge­gen ih­ren Kol­le­gen Nana Pa­tekar, er habe sie 2008 wäh­rend Dreh­ar­bei­ten se­xu­ell be­läs­tigt; als sie sei­nem Drän­gen nicht nach­gab, habe er sie be­droht. Ihre Be­schwer­den sei­en da­mals igno­riert wor­den. Seit 2010 hat Dut­ta kei­ne En­ga­ge­ments mehr in In­di­en ge­habt. Zwei Jah­re lang leb­te sie in den USA und kam Ende Juli in ihre Hei­mat zu­rück. Pro­mi­nen­te Schau­spie­le­rin­nen wie Priy­an­ka Cho­pra lob­ten sie für ih­ren Mut. Ge­walt ge­gen Frau­en ist in In­di­en ein gro­ßes ge­sell­schaft­li­ches Pro­blem. Der Be­schul­dig­te strei­tet nach wie vor al­les ab. Dut­ta wur­de in­zwi­schen in so­zia­len Netz­wer­ken nicht nur be­schimpft, son­dern auch be­droht. Die Po­li­zei von Mum­bai gibt ihr Per­so­nen­schutz.

Einfach mal machen

• Durch ihre Ar­beit wur­de sie reich, und spä­tes­tens seit­dem ihr Ro­man »Big Litt­le Lies« als gleich­na­mi­ge Se­rie ver­filmt wur­de, ist die aus­tra­li­sche Best­sel­ler­au­to­rin Lia­ne Mo­ri­ar­ty, 51, auch in­ter­na­tio­nal be­rühmt. In der Ge­schich­te um emo­tio­nal ge­schä­dig­te Ober­schichts­frau­en in Ka­li­for­ni­en, die in eine Mor­der­mitt­lung hin­ein­ge­ra­ten, spie­len Stars wie Ni­co­le Kid­man und Ree­se Wi­t­her­spoon Haupt­rol­len. Die Se­rie war so er­folg­reich, dass Mo­ri­ar­ty ge­be­ten wur­de, eine Fort­set­zung des Ro­mans zu schrei­ben. An­fangs fiel es ihr schwer, auf Be­stel­lung zu ar­bei­ten, es war das ers­te Mal. Doch dann sag­te ihre Schwes­ter, sie sol­le doch ihre Lieb­lings­schau­spie­le­rin mit rein­schrei­ben. Das ist Me­ryl Streep, und der Ge­dan­ke an sie in­spi­rier­te Mo­ri­ar­ty zu der Idee, die Müt­ter der bis­he­ri­gen Prot­ago­nis­tin­nen auf­tre­ten zu las­sen. Al­les an­de­re er­gab sich von selbst. Zu dem Zeit­punkt wuss­te sie noch nicht ein­mal, ob es tat­säch­lich eine zwei­te Staf­fel ge­ben wür­de, ge­schwei­ge denn, ob eine der be­rühm­tes­ten Schau­spie­le­rin­nen des Pla­ne­ten an der Rol­le in­ter­es­siert sein wür­de. In­zwi­schen sind die Dreh­ar­bei­ten ab­ge­schlos­sen – und Streep war tat­säch­lich mit von der Par­tie, zum ers­ten Mal seit 40 Jah­ren in ei­ner tra­gen­den TV-Se­ri­en­rol­le.

Spagat zwischen den Zeiten

• Die Frisch­ver­mähl­ten, die even­tu­ell, viel­leicht, wahr­schein­lich bald El­tern wer­den, ha­ben eine schwie­ri­ge Auf­ga­be: Meg­han, Her­zo­gin von Sus­sex, 37, und ihr Ehe­mann Prinz Har­ry, 34, sol­len die jahr­hun­der­te­al­te In­sti­tu­ti­on der Mon­ar­chie auf mo­der­ne Art re­prä­sen­tie­ren. Um den Spa­gat zwi­schen Tra­di­ti­on und Mo­der­ne mal wie­der zu ze­le­brie­ren, be­such­ten sie nun die Auf­füh­rung ei­nes Mu­si­cals, in des­sen Mit­tel­punkt Kö­nig Ge­or­ge III. steht, je­ner bri­ti­sche Mon­arch, des­sen be­weg­te Re­gent­schaft von 1760 bis 1801 von sei­ner Geis­tes­krank­heit stark be­ein­träch­tigt war; er starb völ­lig um­nach­tet 1820. Die Ge­schich­te des ver­rück­ten Kö­nigs – ein Ur­ahn von Prinz Har­ry – war be­reits Ge­gen­stand ei­nes Films, die Auf­be­rei­tung als Mu­si­cal ist neu. His­to­ri­ker er­hof­fen sich so, jun­ge In­ter­es­sen­ten für die Epo­che zu ge­win­nen. Dass auch das Kö­nigs­haus an die­se Stra­te­gie glaubt, zeigt nicht nur der Be­such von Meg­han und Har­ry. Zu­vor war der Haupt­dar­stel­ler nach Schloss Wind­sor ein­ge­la­den wor­den, um Ori­gi­nal­do­ku­men­te, zum Bei­spiel Brie­fe von Ge­or­ge III., zu stu­die­ren.

Irrfahrt zum Erfolg

• Bald er­scheint eine Bio­gra­fie über den Künst­ler Jo­na­than Mee­se, 48, zu der er of­fen­bar selbst den Le­bens­lauf bei­ge­steu­ert hat, und der be­ginnt so: »Ge­bo­ren der Se­xua­li­tät, ab dann: Pfle­ge – El­tern Geld (ZUCHT­HAFT).« Spä­ter die »Mensch­wer­dung«. Der Le­ser er­fährt ei­ni­ges über sei­ne El­tern, die TV-Se­ri­en sei­ner Kind­heit, sei­nen Wer­de­gang, auch über den Pro­zess, der ihm 2013 ge­macht wur­de und der wohl eine Zä­sur in sei­nem Le­ben und sei­ner Kar­rie­re dar­stellt. Im Jahr zu­vor hat­te Mee­se dem SPIEGEL in Kas­sel vor Pu­bli­kum ein In­ter­view ge­ge­ben und da­bei – im Sit­zen, mit be­tont krum­mer Hal­tung und wie schon bei frü­he­ren Auf­trit­ten – den Hit­ler­gruß per­si­fliert. Zwar ver­damm­te er je­den »Rea­li­täts­fa­na­tis­mus«, doch wur­de er selbst für ei­nen Rea­lis­ten ge­hal­ten, sein Hit­ler­gruß miss­ver­stan­den, da­her die (an­ony­me) An­zei­ge. Die Rich­te­rin sprach ihn frei, er­kann­te den Spott, re­ha­bi­li­tier­te ihn so. Aber Mee­se hat­te si­cher mehr Bei­stand aus dem Kul­tur­be­trieb er­hofft, die Fest­spie­le von Bay­reuth, die ihn en­ga­giert hat­ten, lu­den ihn wie­der aus. Von sei­ner Ga­le­rie trenn­te er sich. Längst läuft es wie­der: Im No­vem­ber er­öff­net er eine Schau in der Münch­ner Pi­na­ko­thek der Mo­der­ne (»Die Irr­fahr­ten des Mee­se«). In der ver­gan­ge­nen Wo­che sprach er, auf Ein­la­dung ei­nes Rich­ters des Bun­des­ge­richts­hofs, als Gast­do­zent an der Ju­ris­ti­schen Fa­kul­tät in Leip­zig; in die­sen Krei­sen schätzt man ihn be­son­ders. UK

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