Ani­mier­tes Auf­ma­cher­bild

Von Ö zu E. In Palo Alto, Si­li­con Val­ley, fah­ren heu­te so vie­le Tes­las und an­de­re Strom­au­tos her­um, dass man sich mit ei­nem Ben­zi­ner ir­gend­wie selt­sam vor­kommt. Ähn­lich muss es sich in US-Städ­ten um 1900 an­ge­fühlt ha­ben. Denn nicht nur die Zu­kunft des Au­tos ist elek­trisch, sei­ne Ver­gan­gen­heit war es auch: Da­mals, als die Rä­der lau­fen lern­ten, hat­ten in den USA vier von zehn Au­tos ei­nen Elek­tro­an­trieb (vier fuh­ren mit Dampf, zwei mit Ben­zin). Dann schlug die Ge­schich­te ei­nen hun­dert­jäh­ri­gen Irr­weg ein, weil sich der deut­sche Ver­bren­nungs­mo­tor durch­setz­te. Konn­te ja kei­ner wis­sen, dass man da­mit die Um­welt ka­putt macht. Erst seit Kur­zem ma­chen E-Au­tos wie­der Bo­den gut, ihr Ab­satz steigt der­zeit ex­po­nen­ti­ell. Zu­ge­ge­ben, aufs Gan­ze ge­se­hen ist der An­teil noch im­mer be­schei­den, und dort, wo Strom aus Braun­koh­le ge­won­nen wird, sind auch E-Au­tos nicht nach­hal­tig. An ei­ner Kreu­zung welt­wirt­schaft­li­cher Ent­wick­lungs­li­ni­en be­fin­det sich Nor­we­gen. Das Land und sein Reich­tum sind auf Öl ge­baut. Doch die Nor­we­ger ver­kau­fen das schmie­ri­ge Zeug lie­ber an den Rest der Welt und trei­ben ihre ei­ge­nen Au­tos zu­neh­mend mit Strom an. 2018 war fast je­der zwei­te in Nor­we­gen ver­kauf­te Wa­gen ein Elek­tro­ve­hi­kel. Nor­we­gen mag ein Son­der­fall sein, weil es den Um­stieg von Ö zu E mit An­rei­zen för­dert, weil es über sau­be­re Was­ser­kraft ver­fügt. Den­noch: In Oslo oder Palo Alto zeigt sich, wie schnell man an ei­nen Wen­de­punkt ge­lan­gen kann. Viel­leicht wird es sich bald auch in Ber­lin oder Ham­burg ir­gend­wie selt­sam an­füh­len, das Kind mit dem Ben­zi­ner an der Schu­le ab­zu­set­zen. So, als wür­de man ein Wähl­schei­ben­te­le­fon aus der Ja­cken­ta­sche zie­hen, wäh­rend die an­de­ren auf ih­ren Smart­pho­nes tip­pen.

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