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Uli Baur, 62

»Er war der po­si­tivs­te Mensch, den ich je ken­nen­ge­lernt habe, und ein groß­ar­ti­ger Weg­ge­fähr­te«, sag­te Hel­mut Mark­wort ein­mal über ihn. Re­gel­mä­ßig war der Jour­na­list Uli Baur im Fern­se­hen zu se­hen und blieb doch un­be­kannt. Sei­ne Rol­le war die des Si­de­kicks von Mark­wort. Die bei­den ent­wi­ckel­ten seit 1992 den »Fo­cus« und blie­ben ein Team – auch im Wer­be­spot »Fak­ten, Fak­ten, Fak­ten«. Baur, ge­bo­ren am Am­mer­see, vo­lon­tier­te beim »Münch­ner Mer­kur«, ar­bei­te­te dann bei Ra­dio Gong als Pro­gramm­chef, be­vor er zum »Fo­cus« wech­sel­te. Er traf Ent­schei­dun­gen aus dem Bauch her­aus, etwa wenn es um Per­so­na­li­en ging. Baur rauch­te Zi­ga­ril­los in sei­nem Chef­bü­ro, ging mit Le­der­ho­sen aufs Ok­to­ber­fest. Man duz­te sich in der Re­dak­ti­on trotz­dem nicht, er blieb mit den meis­ten beim Sie. Er stand für Nutz­wert, aber auch ex­klu­si­ve Nach­rich­ten, Letz­te­re we­ni­ger aus der gro­ßen Po­li­tik. 2004 wur­de Baur Co-Chef­re­dak­teur, 2013 ne­ben Mark­wort Her­aus­ge­ber. Uli Baur starb am 8. Sep­tem­ber an ei­ner Krebs­er­kran­kung am Starn­ber­ger See.

Peter Kretzschmar, 85

»Pit«, wie ihn vie­le nann­ten, war der Ers­te, der den Na­men Kretz­sch­mar in der Hand­ball­ge­schich­te ver­ewig­te. Als Spie­ler ge­hör­te er zu den Gro­ßen sei­nes Sports: Welt­meis­ter 1963 auf dem Groß­feld, WM-Drit­ter 1958 in der Hal­le. Und als Trai­ner topp­te er die­se Er­fol­ge. In sei­ner Hei­mat­stadt führ­te er die Da­men des SC Leip­zig zu zehn Meis­ter­schaf­ten, fei­er­te zwei Eu­ro­pa­po­kaltri­um­phe. Da­bei lern­te er auch sei­ne spä­te­re Frau Wal­traud ken­nen, die zu­gleich sei­ne bes­te Spie­le­rin war. Ge­mein­sam hol­ten sie mit der DDR 1975 und 1978 den WM-Ti­tel, bei Olym­pia gab es Sil­ber und Bron­ze. Die bei­den be­ka­men ei­nen Sohn, der bis heu­te ei­ner der be­kann­tes­ten Hand­bal­ler Deutsch­lands ist. Dass ihm Ste­fans ex­tra­va­gan­te Art fremd war, konn­te das Va­ter-Sohn-Ver­hält­nis nicht zer­stö­ren. Ste­fan Kretz­sch­mar schrieb in sei­ner Bio­gra­fie über den Va­ter: »Er ist mein Vor­bild, war im­mer mein Halt.« Pe­ter Kretz­sch­mar starb am 9. Sep­tem­ber, nach lan­ger Krank­heit und nur sie­ben Mo­na­te nach sei­ner Frau, in Rü­ders­dorf bei Ber­lin.

Mac Miller, 26

In ei­nem sei­ner letz­ten Mu­sik­vi­de­os liegt er, le­ben­dig be­gra­ben, in ei­nem Sarg. Er schafft es zwar, sich zu be­frei­en, doch dann geht al­les um ihn her­um in Flam­men auf. »Self Care« heißt der da­zu­ge­hö­ri­ge Song des ame­ri­ka­ni­schen Rap­pers Mac Mil­ler – und der Wunsch nach Selbst­be­stim­mung, der Kampf mit der Sucht, das wa­ren auch Leit­mo­ti­ve sei­nes Le­bens und sei­ner Kunst. Mil­ler kam als Mal­colm Ja­mes Mc­Cor­mick in Pitts­burgh, Penn­syl­va­nia, zur Welt. Mit 6 Jah­ren lern­te er Kla­vier, mit 15 wuss­te er, in­spi­riert von dem wei­ßen Hip-Hop-Trio Be­as­tie Boys, dass er Mu­si­ker wer­den woll­te. Den Durch­bruch hat­te er als Teen­ager, mit sei­nem De­büt »Blue Sli­de Park«, ei­nem Num­mer-eins-Er­folg. Er ex­pe­ri­men­tier­te zu­neh­mend mit Funk- und Jazz­klän­gen, sein Sound wur­de sanf­ter, ver­schla­fe­ner, wie sein Blick. Sein fünf­tes Al­bum »Swim­ming«, das »Self Care« ent­hält, er­schien im Au­gust. Er twit­ter­te, dass er sich auf sei­ne be­vor­ste­hen­de Tour­nee freue, die Ende Ok­to­ber be­gin­nen soll­te. Vor we­ni­gen Wo­chen hat­ten sich Mil­ler und die be­rühm­te Pop­sän­ge­rin Aria­na Gran­de nach knapp zwei Jah­ren Be­zie­hung ge­trennt. »Ich war da­bei zu er­trin­ken«, singt er in den ers­ten Se­kun­den auf »Swim­ming«, »aber jetzt schwim­me ich.« Mac Mil­ler starb am 7. Sep­tem­ber in Ka­li­for­ni­en.

Erich Riedl, 85

Der Münch­ner Po­li­ti­ker war das Sinn­bild ei­nes CSU-Ami­gos. Im Su­de­ten­land ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen, 1945 nach Fran­ken ge­flo­hen, ar­bei­te­te Riedl für die Post, be­vor er Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten stu­dier­te. 1969 wur­de er erst­mals für die CSU in den Bun­des­tag ge­wählt, dem er 29 Jah­re lang, bis 1998, an­ge­hör­te. Am rech­ten Rand der CSU an­ge­sie­delt, woll­te Riedl sei­nen Wahl­kreis Mün­chen-Süd zur »asy­lan­ten­frei­en Zone« ma­chen. Schon seit 1974 war der Po­li­ti­ker Sport­funk­tio­när. Riedl ließ sich zum Prä­si­den­ten des TSV 1860 Mün­chen wäh­len. Da­bei hat­te er kei­ne For­tu­ne, führ­te den Tra­di­ti­ons­fuß­ball­ver­ein in die Plei­te und in die Dritt­klas­sig­keit. Von 1987 an war Riedl als Staats­se­kre­tär im Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um un­ter an­de­rem für die deut­schen Rüs­tungs­ge­schäf­te zu­stän­dig. Der ver­sier­te Strip­pen­zie­her ge­riet in Ver­dacht, 500 000 Mark Schmier­geld für das Ge­neh­mi­gen von Pan­zer­lie­fe­run­gen an Sau­di-Ara­bi­en kas­siert zu ha­ben, doch die Er­mitt­lun­gen ver­lie­fen im San­de. Erich Riedl starb nach lan­ger Krank­heit in der Nacht zum 8. Sep­tem­ber in Mün­chen.

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