Umfaller

Leitkultur  Alexander Osang über die Folgen eines schlechten Gewissens

Seit mei­ner Kind­heit schla­ge ich mich mit Boy­kott­auf­ru­fen her­um. Stän­dig be­stand die Ge­fahr, den Feind zu un­ter­stüt­zen. Die ka­tho­li­sche Kir­che woll­te nicht, dass ich so­zia­lis­ti­schen Ju­gend­or­ga­ni­sa­tio­nen bei­tre­te; die DDR-Schu­le be­män­gel­te mei­nen Ein­satz als Mess­die­ner. Als Stu­dent habe ich wäh­rend ei­ner Nacht­wa­che in un­se­rem Wohn­heim eine Par­ty in mei­nem Pfört­ner­häus­chen or­ga­ni­siert. Eine be­trun­ke­ne Kom­mi­li­to­nin na­mens Rita lös­te dort die Alarm­an­la­ge aus, wor­auf mir mein Sek­ti­ons­lei­ter an der Karl-Marx-Uni­ver­si­tät Leip­zig, Pro­fes­sor Fuchs, vor­warf, ich spiel­te mit der Kriegs­angst mei­ner Lands­leu­te. Er er­in­ner­te mich an den Nato-Dop­pel­be­schluss und er­teil­te mir ei­nen stren­gen Ver­weis. Man er­war­te­te von mir, den Boy­kott der Olym­pi­schen Spie­le in Mos­kau zu ver­ur­tei­len, den der Olym­pi­schen Spie­le in Los An­ge­les aber zu be­grü­ßen. Ich hass­te bei­de Boy­kot­te. Sie ver­dar­ben mir die Som­mer 1980 und 1984.

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