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Elmar Pieroth, 83

In Bad Kreuz­nach ge­bo­ren, mo­der­ni­sier­te er nach dem Stu­di­um der Volks­wirt­schaft den Wein­bau­be­trieb der Fa­mi­lie, trat 1965 in die CDU ein und wur­de vier Jah­re spä­ter in den Bun­des­tag ge­wählt, wo er sich als Wirt­schafts­ex­per­te pro­fi­lier­te. Als sein Par­tei­freund Ri­chard von Weiz­sä­cker 1981 Re­gie­ren­der Bür­ger­meis­ter von West-Ber­lin wur­de, hol­te er den Pfäl­zer als Wirt­schafts­se­na­tor an die Spree. Sein Ruf nahm erns­ten Scha­den, als be­kannt wur­de, dass die Wein­hand­lung der Fa­mi­lie mit Gly­kol ge­pansch­ten Wein ver­trie­ben hat­te. Die Er­mitt­lun­gen und das Straf­ver­fah­ren zo­gen sich bis 1994 hin und en­de­ten für El­mar Pie­roth mit ei­nem Frei­spruch. Der Re­gie­ren­de Bür­ger­meis­ter Eber­hard Diep­gen (CDU) be­rief ihn der­weil 1991 als Fi­nanz­se­na­tor in sein Ka­bi­nett. Bald galt Pie­roth als »Herr der freund­li­chen Zah­len«. Nach der Strei­chung der Ber­lin-Sub­ven­tio­nen ge­langt es ihm nicht, den öf­fent­li­chen Dienst in Ber­lin ab­zu­bau­en und die Haupt­stadt vor der Schul­den­fal­le zu ret­ten. Har­tes Spa­ren war sei­ne Sa­che nicht, er woll­te lie­ber in­ves­tie­ren und am­tier­te bis No­vem­ber 1998 als Se­na­tor, zu­letzt wie­der für Wirt­schaft. El­mar Pie­roth starb am 31. Au­gust im Kreis sei­ner Fa­mi­lie in Ber­lin.

Helmut Merker, 76

Der ha­ge­re, as­ke­ti­sche Mann, den man sel­ten es­sen sah, schien sich von Bil­dern zu er­näh­ren. Kino war für Hel­mut Mer­ker eine Kunst, die er sinn­lich ge­nie­ßen und in­tel­lek­tu­ell durch­drin­gen woll­te. Die Do­ku­men­ta­tio­nen über Film­schaf­fen­de und The­men wie »Es­sen im Kino«, die er in sei­ner mehr als 30 Jah­re lan­gen Tä­tig­keit für den WDR re­dak­tio­nell be­treu­te, muss­ten so geist­reich, amü­sant und prä­zi­se wie mög­lich sein. Mer­ker konn­te un­wirsch wer­den, wenn er den Ein­druck hat­te, dass sei­ne Au­to­ren es sich zu ein­fach mach­ten. Der Kom­ple­xi­tät des Ki­nos nicht ge­recht zu wer­den, das war in sei­nen Au­gen fast ein Ver­bre­chen. Kaum je­mand schau­te beim Fes­ti­val von Can­nes so vie­le Fil­me wie er. Mer­ker ent­deck­te Fil­me­ma­cher wie die Brü­der Dar­den­ne und kauf­te die Sen­de­rech­te ih­rer Fil­me, noch be­vor sie zu Er­fol­gen wur­den. Der Grim­me­preis­trä­ger zeig­te auch im­mer wie­der Pro­duk­tio­nen aus Län­dern, de­ren Film­kul­tur in­ter­na­tio­nal we­ni­ger be­ach­tet wird. Hel­mut Mer­ker starb in der Nacht zum 3. Sep­tem­ber in Ber­lin.

Burt Reynolds, 82

Ein Frau­en­typ, ein Manns­bild, ein Sex­sym­bol, der US-ame­ri­ka­ni­sche Mime mit ita­lie­ni­schen und in­dia­ni­schen Wur­zeln war all das in den Sieb­zi­ger­jah­ren, als »Cos­mo­po­li­tan« ihn als ers­ten nack­ten Kerl zum Aus­klap­pen prä­sen­tier­te. Sei­ne Rol­len chan­gier­ten zwi­schen Ac­tion und Kla­mauk, sie brach­ten ihm ei­nen Emmy, zwei Gol­den Glo­bes und gar eine Os­car­no­mi­nie­rung ein. Auf Plei­ten folg­ten Hö­hen, wie 1997 mit ei­nem spä­ten Come­back in »Boo­gie Nights« – lei­se wur­de es um ihn nie. Burt Reynolds starb am 6. Sep­tem­ber in Flo­ri­da.

Carole Shelley, 79

Sie wur­de be­rühmt mit ei­nem nicht en­den wol­len­den Gig­geln. In dem Film »Ein selt­sa­mes Paar« saß die Schau­spie­le­rin Ca­ro­le Shel­ley auf ei­nem Sofa Wal­ter Matt­hau und Jack Lem­mon ge­gen­über, stell­te harm­lo­se Fra­gen und ki­cher­te über je­den Scherz: »Ich schrei­be die Nach­rich­ten für CBS.« »Und wo­her be­kom­men Sie Ihre Ide­en?«, frag­te Shel­ley als Gwen­d­o­lyn Pi­ge­on. Das Büh­nen­stück von Neil Si­mon war ein Broad­way-Er­folg, be­vor es ver­filmt wur­de, und Shel­ley war in bei­den Ver­sio­nen die ko­ket­te, ki­chern­de Nach­ba­rin. Die Schau­spie­le­rin, in Eng­land als Toch­ter ei­nes aus Deutsch­land emi­grier­ten Kom­po­nis­ten ge­bo­ren, such­te nach ei­ni­gen Broad­way-Ko­mö­di­en in Shake­speares Dra­men neue Her­aus­for­de­run­gen. Sie fand sie als Ro­sa­lind in »Wie es euch ge­fällt« und als Re­gan in »Kö­nig Lear«. Die zwei­te Rol­le, die ihre Kar­rie­re prä­gen soll­te, war eine ent­ge­gen­ge­setz­te Fi­gur. In der Broad­way-In­sze­nie­rung von »Der Ele­fan­ten­mensch« spiel­te Shel­ley 1979 eine Frau, die Nähe zum ent­stell­ten, aber ein­fühl­sa­men John Mer­rick emp­fin­det – und be­kam da­für den Tony Award als bes­te Haupt­dar­stel­le­rin. Ca­ro­le Shel­ley starb am 31. Au­gust in New York an ei­ner Krebs­er­kran­kung.

Luigi Luca Cavalli-Sforza, 96

Als jun­ger Wis­sen­schaft­ler trug er we­sent­lich zu Er­kennt­nis­sen über den Erb­gut­trans­fer zwi­schen Bak­te­ri­en bei, kam aber bald zu dem Schluss, dass »Men­schen mehr Cha­ris­ma ha­ben als E. coli«. Nur kurz hat­te Lu­i­gi Luca Ca­val­li-Sfor­za nach sei­nem Me­di­zin­stu­di­um als Arzt prak­ti­ziert, dann zog es ihn in die For­schung: zu­nächst nach Cam­bridge, spä­ter nach Mai­land, Par­ma und Pa­via und schließ­lich an die Stan­ford Uni­ver­si­ty. Im­mer war es die Mensch­heit in ih­rer Viel­falt, die ihn fas­zi­nier­te: Wenn wir alle auf ge­mein­sa­me Vor­fah­ren zu­rück­bli­cken, so Ca­val­li-Sfor­za, wie konn­ten sich dann Ei­gen­schaf­ten ent­wi­ckeln, die ty­pisch sind für die Be­woh­ner be­stimm­ter Re­gio­nen? Früh ent­wi­ckel­te er Theo­ri­en über die Mi­gra­ti­ons­rou­ten frü­he­rer Ge­ne­ra­tio­nen und evo­lu­tio­nä­re Stamm­bäu­me mensch­li­cher Po­pu­la­tio­nen. Lu­i­gi Luca Ca­val­li-Sfor­za starb am 31. Au­gust im nord­ita­lie­ni­schen Bel­lu­no.

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