ZEIT­REISE – DER SPIEGEL VOR 50 JAHREN

Brandt beim SPIEGEL-Ge­spräch 1968
Ostpolitik

Fortgesetzte Vermensch­li­chung

Der Einmarsch der Sowjetarmee in der Tschechoslowakei war naturgemäß ein herber Rückschlag für die bundesdeutsche Entspannungspolitik – Moskau stand wieder als der Hort des Bösen da, die kalten Krieger frohlockten. Doch Außenminister Willy Brandt mochte den von ihm propagierten Wandel durch Annäherung keineswegs aufgeben.

Franz Jo­sef Strauß zö­ger­te nicht lan­ge, um die Ent­span­nungs­po­li­ti­ker uni­so­no als »Herz- und Ge­hirn­ver­pflan­zer« zu be­schimp­fen, die nicht ler­nen woll­ten, dass man die So­wjet­füh­rung nicht nach west­li­chen Maß­stä­ben be­ur­tei­len kön­ne. Für den baye­ri­schen Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter war klar, dass der Kreml die neu­ge­won­ne­ne »stra­te­gisch wich­ti­ge Po­si­ti­on Böh­mens« über kurz oder lang als »Aus­fall­pfor­te nach Wes­ten für die mi­li­tä­ri­sche End­lö­sung der Eu­ro­pa­fra­ge im rus­si­schen Sin­ne« nut­zen wür­de, mit an­de­ren Wor­ten: Der Über­fall der Ro­ten Ar­mee stand be­vor. Der CSU-Vor­sit­zen­de nutz­te den Ein­marsch in Prag, um ein­mal mehr ge­gen den Atom­waf­fen­sperr­ver­trag zu wet­tern, je­nem »Su­per-Jal­ta«, der die Wei­ter­ver­brei­tung von Nu­kle­ar­waf­fen ver­hin­dern soll­te. An­ge­sichts der Be­dro­hung aus Mos­kau kön­ne die Bun­des­re­pu­blik kei­nes­falls – wie von Brandt ge­plant – auf Atom­waf­fen ver­zich­ten.

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