Haus­mit­tei­lung

Clauß, Blu­me

Po­li­ti­ker in Deutsch­land ach­ten sehr auf ihr öf­fent­li­ches Image, und Mar­kus Blu­me, Ge­ne­ral­se­kre­tär der CSU, ist kei­ne Aus­nah­me. Blu­me war ein­mal Ju­nio­ren­meis­ter im Eis­tan­zen, ein Er­folg, den er bis­lang höchs­tens in Ne­ben­sät­zen er­wähn­te. Aber er ist erst sechs Mo­na­te im Amt, hat nur noch fünf Wo­chen, um eine Wahl­nie­der­la­ge sei­ner Par­tei ab­zu­wen­den. Dass ihn die­se Um­stän­de be­wo­gen ha­ben, der Bit­te von Re­dak­teu­rin Anna Clauß nach­zu­ge­ben, sie auch im Olym­pia-Eis­sport­zen­trum Mün­chen zu tref­fen, ver­neint er ve­he­ment. Statt Kunst­stü­cke vor­zu­füh­ren, woll­te er der SPIEGEL-Re­dak­teu­rin lie­ber eine Fi­gur mit dem Na­men »To­des­spi­ra­le« bei­brin­gen – und die Schluss­po­se, die Blu­me 1993 bei den Ju­nio­ren­welt­meis­ter­schaf­ten im Paar­lauf ge­zeigt hat­te. Ehr­li­che Ant­wor­ten be­kam Clauß trotz­dem nicht im­mer: Auf die Fra­ge, ob es auf dem Eis oder in der Po­li­tik mehr fal­sche Freun­de gebe, be­haup­te­te er, in der CSU sei­en sie alle eine gro­ße Fa­mi­lie. zum Ar­ti­kel

Ni­xon (M.), Oehm­ke (hin­ten l.)

Bis­lang ist die Schau­spie­le­rin Cyn­thia Ni­xon be­kannt, weil sie eine Haupt­fi­gur in der Fern­seh­se­rie »Sex and the City« spiel­te, die um die Jahr­tau­send­wen­de eine gan­ze Ge­ne­ra­ti­on Frau­en ge­prägt hat. Nun strebt Ni­xon eine völ­lig an­de­re Kar­rie­re an, sie will Gou­ver­neu­rin des Bun­des­staa­tes New York wer­den und for­dert ih­ren de­mo­kra­ti­schen Par­tei­freund An­d­rew Cuo­mo her­aus, den sie ver­ab­scheut als eine kor­rup­te Fi­gur des Es­ta­blish­ments. Zu die­sem Es­ta­blish­ment zählt Ni­xon of­fen­bar auch den SPIEGEL, denn et­li­che In­ter­view- und Fo­to­an­fra­gen blie­ben un­be­ant­wor­tet. So hat­te Kor­re­spon­dent Phil­ipp Oehm­ke kei­ne an­de­re Chan­ce, als stets un­an­ge­kün­digt bei den Wahl­kampf­ter­mi­nen auf­zu­tau­chen. Er lief Ni­xon ein­fach hin­ter­her, so häu­fig, dass der SPIEGEL-Re­por­ter auf vie­len Pres­se- und Zei­tungs­fo­tos mit ihr zu se­hen ist, oft wie ein fünf­tes Rad am Wa­gen. Manch­mal ge­lang es Oehm­ke, ein paar Sät­ze mit Ni­xon zu wech­seln, meis­tens aber starr­te sie so­fort kon­zen­triert auf ihr Han­dy, so­bald sie ihn er­blick­te. Am Ende sag­te sie ihm, sie sei so be­schäf­tigt, den Gou­ver­neur in den Vor­wah­len am kom­men­den Don­ners­tag zu schla­gen, dass sie ein­fach kei­ne Zeit habe, mit ei­nem Re­por­ter aus ei­nem Land zu spre­chen, in dem ex­akt kei­ne ein­zi­ge Wäh­ler­stim­me für sie zu ho­len sei. »Ni­xon ist Teil ei­nes glo­ba­len Phä­no­mens«, so Oehm­ke, »sie steht für ei­nen neu­en Po­li­ti­ker­ty­pus, der Wäh­ler­stim­men er­obert, weil er sich nicht wie ein Po­li­ti­ker be­nimmt.« zum Ar­ti­kel

Vo­gel, Wind­mann

Manch­mal ver­än­dert sich ein Le­ben im Bruch­teil ei­ner Se­kun­de. Die zwei­ma­li­ge Olym­pia­sie­ge­rin Kris­ti­na Vo­gel muss­te das Ende Juni er­fah­ren. Beim Trai­ning kol­li­dier­te die Bahn­rad­fah­re­rin mit ei­nem an­de­ren Sport­ler und er­litt schwers­te Rü­cken­ver­let­zun­gen. Zwei Mo­na­te lang wuss­te nur ihr engs­tes Um­feld, dass sie quer­schnitt­ge­lähmt ist. Nun sprach sie erst­mals über den Un­fall, Re­dak­teu­rin Ant­je Wind­mann be­such­te sie im Kran­ken­haus in Ber­lin und traf eine Frau, die sagt: »Ich hät­te so gern 2020 bei Olym­pia noch ein­mal Gold ge­holt – an­de­rer­seits hat­te ich so vie­le Er­fol­ge, bin Welt­re­kord­hal­te­rin. Jetzt treibt mich kei­ner mehr an. Ich bin zum ers­ten Mal frei, und das ist was Schö­nes.« Das au­ßer­ge­wöhn­lich per­sön­li­che In­ter­view le­sen Sie hier.