Per­so­na­lien

Netter dank Brecht

• Der Schau­spie­ler Lars Ei­din­ger, 42, macht sich Sor­gen um sei­ne Wir­kung als Pri­vat­per­son. »Ich mer­ke im­mer mehr, dass mich der Mensch in sei­ner Küm­mer­lich­keit ab­stößt«, sag­te Ei­din­ger dem SPIEGEL. »Je äl­ter ich wer­de, des­to stär­ker ent­wick­le ich mich zum Mis­an­thro­pen.« Weil das aber kei­ne Lö­sung sei, habe er sich nun mehr Men­schen­lie­be ver­ord­net. Wun­der muss sein Um­feld da­bei viel­leicht nicht er­war­ten, denn zum Vor­bild er­ko­ren hat sich der Ber­li­ner da­bei den sonst eher als Ekel ver­schrie­nen Ber­tolt Brecht. Ei­din­ger ver­kör­pert den 1956 ver­stor­be­nen Dra­ma­ti­ker im neu­en Ki­no­film »Ma­ckie Mes­ser – Brechts Drei­gro­schen­film« (Start: 13. Sep­tem­ber) und glaubt, den Sys­tem­kri­ti­ker wäh­rend der Vor­be­rei­tun­gen ganz neu ken­nen­ge­lernt zu ha­ben – näm­lich als miss­ver­stan­de­nen Men­schen­freund. Brecht, der sei­nen Schrift­stel­ler­kol­le­gen Tho­mas Mann als Her­stel­ler »eit­ler und un­nüt­zer Bü­cher« be­zeich­ne­te und Tex­te von Lieb­ha­be­rin­nen gern als sei­ne ei­ge­nen ver­kauf­te, sei in Wirk­lich­keit das Ge­gen­teil ei­nes Zy­ni­kers ge­we­sen: »Sein höchs­ter An­spruch war Freund­lich­keit.« Im­po­niert hat Ei­din­ger auch, dass Brecht »sich selbst ge­gen­über im­mer groß­zü­gig und lie­bend« ge­blie­ben sei. Auch das wol­le er in Zu­kunft selbst ver­su­chen.

Seoul auf Linie

• Der deut­sche Dra­ma­ti­ker und Thea­ter­lei­ter Vol­ker Lud­wig, 81, wird in die­ser Wo­che in Süd­ko­reas Haupt­stadt in Bron­ze ver­ewigt. Sein Mu­si­cal »Li­nie 1«, das 1986 am Ber­li­ner Grips-Thea­ter Pre­mie­re hat­te, wur­de in Süd­ko­rea mehr als 4000-mal auf­ge­führt. Zur Wie­der­auf­nah­me des Stücks am Hak­chon Thea­ter wird nun ein Re­li­ef, das Lud­wig und sei­nen 2012 ver­stor­be­nen Kom­po­nis­ten Bir­ger Heymann zeigt, an der Fas­sa­de an­ge­bracht.

Wertvolle Verstärkung

• Ex-Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re, 64, muss ins Ab­kling­be­cken. Nach­dem der CDU-Po­li­ti­ker von Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel im März nicht mehr für das Ka­bi­nett be­rück­sich­tigt wor­den ist, ver­sil­bert er nun sei­ne Kon­tak­te. Im Herbst soll de Mai­ziè­re den Vor­sitz der Deut­schen Te­le­kom Stif­tung über­neh­men. Spä­ter will der Ju­rist zu­dem als Be­ra­ter für die Deut­sche Te­le­kom ar­bei­ten. Für den Kon­zern dürf­te es sich um eine wert­vol­le Ver­stär­kung han­deln. Auf Rat ei­ner Ethik­kom­mis­si­on be­schloss die Bun­des­re­gie­rung nun, den Stif­tungs­pos­ten ohne Auf­la­gen zu ge­neh­mi­gen. Das Be­ra­ter­man­dat darf de Mai­ziè­re aber erst zwölf Mo­na­te nach Amts­en­de an­tre­ten. Als sol­che Zwangs­pau­sen in der ver­gan­ge­nen Wahl­pe­ri­ode durch die Ände­rung des Mi­nis­ter­ge­set­zes be­schlos­sen wur­den, sag­te de Mai­ziè­re, die neu­en Re­ge­lun­gen »wä­ren nicht nö­tig ge­we­sen, wenn sich man­che in der Ver­gan­gen­heit – und da den­ke ich durch­aus an pro­mi­nen­te Ver­tre­ter der ehe­ma­li­gen Bun­des­re­gie­rung – an­ders ver­hal­ten hät­ten«.

»Tamtam um nichts«

• 90-mal kommt das Wort »Di­gi­ta­li­sie­rung« im Ko­ali­ti­ons­ver­trag vor, das The­ma soll­te ei­nes der wich­ti­gen der Gro­ßen Ko­ali­ti­on wer­den. Es wur­de so­gar ein Pos­ten im Kanz­ler­amt ge­schaf­fen. Doch die Staats­mi­nis­te­rin für Di­gi­ta­li­sie­rung, Do­ro­thee Bär, 40, hat, im Ge­gen­satz zu den an­de­ren drei Staats­mi­nis­tern, nicht mal eine ei­ge­ne Web­site. Den Ab­ge­ord­ne­ten Kai Geh­ring wun­der­te das. Der Grü­ne frag­te die Bun­des­re­gie­rung, was der Grund sei. Die Ant­wort fiel la­pi­dar aus: Das Pres­se- und In­for­ma­ti­ons­amt be­rich­te auf www.bun­des­re­gie­rung.de. »Auf die­ser Web­sei­te wer­den ge­nau­so wie in den Auf­trit­ten der Bun­des­re­gie­rung in den so­zia­len Netz­wer­ken The­men der Be­auf­trag­ten für Di­gi­ta­li­sie­rung auf­ge­grif­fen.« Geh­ring sagt, er habe la­chen müs­sen, als er das las. Dies sei »ein be­zeich­nen­des Bei­spiel, wie weit An­spruch und Wirk­lich­keit bei Re­gie­rung und CSU-Per­so­nal aus­ein­an­der­klaf­fen«. Bär sei mit »gro­ßem Tam­tam« ge­star­tet, bis­lang habe sie aber nichts er­reicht.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 37/2018.