Per­so­na­lien

Aufschlä­gerin

• Dass auf­stre­ben­de Sport­le­rin­nen und Sport­ler, so­bald sie ihre ers­ten Er­fol­ge fei­ern, mit Wer­be­deals für wahl­wei­se Sham­poos, Scho­ko­rie­gel oder schnel­le Au­tos zu­ge­schüt­tet wer­den, ist nichts Neu­es. Im Fall der Ten­nis­spie­le­rin Nao­mi Osa­ka, 20, aber viel­leicht doch. Wie das »New York Times Ma­ga­zi­ne« be­schreibt, ge­hört Osa­ka sehr wahr­schein­lich zu den Su­per­stars von mor­gen. Das liegt na­tür­lich an ih­rem Ta­lent. Aber eben auch an ih­rem Aus­se­hen und ih­rer Fa­mi­li­en­ge­schich­te. Nao­mi Osa­ka wur­de in Ja­pan ge­bo­ren; als sie drei Jah­re alt war, zog sie mit ih­rer äl­te­ren Schwes­ter Mari, ih­rer ja­pa­ni­schen Mut­ter und ih­rem hai­tia­ni­schen Va­ter nach Long Is­land, New York. Zu Hau­se sprach sie Ja­pa­nisch und das hai­tia­ni­sche Kreol. Und sie spiel­te Ten­nis und wur­de im­mer bes­ser. Ihr Va­ter ent­schied, dass sie bei Tur­nie­ren für Ja­pan an­tre­ten wür­de. Heu­te ist Osa­ka un­ter den bes­ten 20 Ten­nis­spie­le­rin­nen der Welt und Ja­pans er­folg­reichs­te seit vie­len Jah­ren noch dazu. Ja­pa­ni­sche Me­di­en und Wer­be­un­ter­neh­men gie­ren nach ihr. Ein gro­ßer An­bie­ter von In­stant­nu­del­ge­rich­ten hat sie be­reits un­ter Ver­trag ge­nom­men. Bei den Olym­pi­schen Spie­len in To­kio 2020 könn­te Osa­ka Ja­pans wich­tigs­te Ath­le­tin wer­den. Schon jetzt, wäh­rend der US-Open, ju­beln ihr Fans aus der gan­zen Welt zu. Das kön­ne viel­leicht auch dar­an lie­gen, wird Osa­ka in dem Text zi­tiert, dass »die Fans nicht so ge­nau er­ken­nen kön­nen, was ich bin«.

Der Lido ist männlich

• Wie schon im ver­gan­ge­nen Jahr sind auch bei den 75. Film­fest­spie­len von Ve­ne­dig kaum Fil­me von Re­gis­seu­rin­nen im Wett­be­werb ver­tre­ten. Ei­ner von 21, um ge­nau zu sein. Da­für muss­te der Fes­ti­val­di­rek­tor Al­ber­to Bar­be­ra, 68, nun Kri­tik ein­ste­cken. So ver­öf­fent­lich­te der »Hol­ly­wood Re­por­ter« ei­nen Text, in dem Bar­be­ra und sei­nem Pro­gramm vor­ge­wor­fen wird, eine »ita­lie­ni­sche Kul­tur to­xi­scher Mas­ku­lini­tät« wi­der­zu­spie­geln. Wäh­rend an­de­re wich­ti­ge Film­fes­ti­vals wie die in Can­nes und To­ron­to ih­ren Teil zur Auf­ar­bei­tung von #Me­Too ge­leis­tet hät­ten, wei­ge­re sich Ve­ne­dig wei­ter, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. Bar­be­ra sag­te nach der Vor­stel­lung des Pro­gramms, dass die männ­li­che Mehr­heit der Re­gis­seu­re am Lido ein Pro­blem sei, er als Di­rek­tor aber nicht auf das Ge­schlecht der Fil­me­ma­cher ach­te, son­dern auf die Qua­li­tät ih­rer Wer­ke. Au­ßer­dem sag­te der Ita­lie­ner, das dies­jäh­ri­ge Pro­gramm sei das bes­te des Jahr­zehnts. Er wür­de eher sei­nen Job auf­ge­ben, als eine Quo­te zu­zu­las­sen. Auch die neu­es­ten Vor­wür­fe ließ er nicht auf sich sit­zen. Auf Twit­ter schrieb Bar­be­ra, er wis­se nicht, ob er la­chen oder wei­nen sol­le.

1966

Die Computerfrau

• Als der Film »Hi­d­den Fi­gu­res« 2016 in die Ki­nos kam, wur­de auch die Le­bens­ge­schich­te von Ka­the­ri­ne John­son, 100, be­kannt. John­son ge­hör­te zu je­nen afro­ame­ri­ka­ni­schen Ma­the­ma­ti­ke­rin­nen, die in Zei­ten von Ras­sen­ge­set­zen Raum­flü­ge für die Nasa be­rech­ne­ten. Als »Com­pu­ter«, wie ihre Be­rufs­be­zeich­nung lau­te­te, lie­fer­te John­son mit ih­rer me­cha­ni­schen Re­chen­ma­schi­ne Da­ten für die Ex­pe­ri­men­te der In­ge­nieu­re. In der Nasa-Kan­ti­ne muss­te John­son an ei­nem Tisch es­sen, auf dem das Schild »Co­lo­red Com­pu­ters« stand. Mit ih­rer Ar­beit hat Ka­the­ri­ne John­son ent­schei­dend dazu bei­ge­tra­gen, dass das »Mer­cu­ry«- und das »Apol­lo«-Pro­gramm der Nasa ge­lan­gen und die USA, nach Ju­rij Ga­ga­rins ers­ter Erd­um­run­dung, im Wett­lauf ums Welt­all mit den So­wjets dann auch ei­nen Ame­ri­ka­ner ins All schi­cken konn­ten. 2015 wur­de Ka­the­ri­ne John­son von Ba­rack Oba­ma die Frei­heits­me­dail­le des Prä­si­den­ten ver­lie­hen. Auf dem Cam­pus der West Vir­gi­nia Sta­te Uni­ver­si­ty, an der John­son 1937 ihr Ma­the­ma­tik- und Fran­zö­sisch­stu­di­um ab­ge­schlos­sen hat­te, wur­de nun, ei­nen Tag vor ih­rem 100. Ge­burts­tag, eine Bron­ze­sta­tue von ihr ent­hüllt. Sie fei­er­te es mit Hun­der­ten Zu­schau­ern. Un­ter ih­nen wa­ren auch John­sons 75 Kin­der, En­kel und Ur­en­kel.

Wer ist Lutz Ebersdorf?

• Über Lutz Ebers­dorf, 82, ist fast nichts be­kannt. Ei­gent­lich nur das, was in der In­ter­net Mo­vie Da­ta­ba­se (IMDB), ei­ner in­ter­na­tio­na­len Da­ten­bank zu Film- und Fern­seh­pro­duk­tio­nen, steht. Es heißt, Ebers­dorf sei in Mün­chen ge­bo­ren und 1938 mit sei­ner Fa­mi­lie aus Deutsch­land ge­flo­hen. Laut IMDB wuchs Ebers­dorf in Lon­don auf und kehr­te 1954 nach Mün­chen zu­rück, stu­dier­te dort Phi­lo­so­phie und zog wei­ter nach Ber­lin. Er wur­de Psy­cho­ana­ly­ti­ker. Lutz Ebers­dorf leb­te so vor sich hin. Nun schlüpft er in sei­ne ers­te Ki­no­rol­le. Im Film »Sus­pi­ria«, ei­ner Pro­duk­ti­on der Ama­zon Stu­di­os, heißt es im Pro­fil von Ebers­dorf wei­ter, spie­le er den Psy­cho­ana­ly­ti­ker Dr. Jo­zef Klem­pe­rer. Klingt in Ord­nung. Doch das In­ter­net glaubt nicht an die Exis­tenz von Ebers­dorf. Das On­line­ma­ga­zin »Sla­te« be­haup­tet, dass sich hin­ter dem Schau­spie­ler Lutz Ebers­dorf ein raf­fi­nier­ter Gag ver­ste­cke und der äl­te­re Herr von der eben­falls in »Sus­pi­ria« auf­tre­ten­den Til­da Swin­ton ge­spielt wer­de. Der Re­gis­seur des Films, Luca Gua­da­gni­no, der für »Call Me by Your Name« viel Lob ern­te­te, re­agier­te und sag­te, dass dies eine kom­plet­te Fake News sei. Der Schau­spie­ler-New­co­mer, sei­ne Ent­de­ckung, sei der Münch­ner Lutz Ebers­dorf.

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