Haus­mit­tei­lung

Ne­zik (M.), Tou­ris­ten am Gold­strand, Bul­ga­ri­en

Hans Ma­gnus En­zens­ber­ger ist ein klu­ger Mann. In sei­ner »Theo­rie des Tou­ris­mus« schrieb er 1958: »Die Tu­gend, die man be­schwö­ren will, wird ver­nich­tet, in­dem man sie in An­spruch nimmt.« 60 Jah­re spä­ter zeigt sich, wie recht er da­mals ge­habt hat, denn die Rei­se­bran­che ist da­bei, an ih­rem Er­folg zu kol­la­bie­ren. An den Flug­hä­fen im Land herrscht Cha­os, die Ur­laubs­or­te sind über­füllt und über­for­dert. In der Ti­tel­ge­schich­te be­schreibt ein SPIEGEL-Team, wie die Glo­ba­li­sie­rung und die Di­gi­ta­li­sie­rung den Tou­ris­mus­boom be­feu­ern. Die Jour­na­lis­ten re­cher­chier­ten in der Pro­vence, in Zell am See, Por­to, Rom und Ams­ter­dam. Ann-Kath­rin Ne­zik be­such­te den Gold­strand in Bul­ga­ri­en, der für deut­sche Par­ty­tou­ris­ten zum neu­en Do­ra­do wer­den soll, mit Schaum­dis­co und dem hal­ben Li­ter Bier für um­ge­rech­net zwei Euro. Es gibt Rei­se­zie­le, wo die Ein­hei­mi­schen die Gäs­te al­ler­dings nicht mehr als Se­gen be­trach­ten, son­dern als Fluch, der die ei­ge­ne kul­tu­rel­le Iden­ti­tät ge­fähr­det: Auf Mal­lor­ca ha­ben Ak­ti­vis­ten ner­vi­ge Tou­ris­ten mit Pfer­de­mist be­wor­fen. zum Ar­ti­kel

Hutt, Fow­ler in Ida­ho

Ver­gan­ge­ne Wo­che traf Phil­ipp Oehm­ke im New Yor­ker Büro des SPIEGEL den An­walt und Jour­na­lis­ten Ro­n­an Far­row, der mit sei­nen Ent­hül­lun­gen über die Miss­brauchs- und Ver­ge­wal­ti­gungs­vor­wür­fe ge­gen Har­vey Wein­stein maß­geb­lich zum Sturz des Film­pro­du­zen­ten bei­ge­tra­gen hat. Sei­ne Ar­ti­kel lös­ten die #Me­Too-Be­we­gung mit aus. Ro­n­an Far­row ist der Sohn Mia Far­rows und Woo­dy Al­lens, und er ist über­zeugt, dass die­ser sei­ne Ad­op­tiv­schwes­ter miss­braucht hat. Er habe hart mit sich ge­run­gen we­gen der An­schul­di­gun­gen ge­gen sei­nen Va­ter, sagt er im Ge­spräch, es sei »das Letz­te, was ich glau­ben woll­te«. Ein Star aus Hol­ly­wood, der im Zuge der Wein­stein-Af­fä­re sei­ne Kar­rie­re und Ehre ver­lo­ren hat, ist Os­car­preis­trä­ger Ke­vin Spacey. Des­sen Wer­de­gang ver­folgt Fe­lix Hutt seit »Die üb­li­chen Ver­däch­ti­gen« 1995 ins Kino kam, ei­ner sei­ner Lieb­lings­fil­me. Nach­dem meh­re­re Män­ner Spacey im Herbst se­xu­el­le Be­läs­ti­gung vor­ge­wor­fen hat­ten, tauch­te der Schau­spie­ler ab. Spacey gilt als Per­so­na non gra­ta, ob­wohl es in sei­nem Fall bis­her we­der eine An­kla­ge gibt noch eine An­hö­rung. Hutt ging auf Spu­ren­su­che: Er traf ein po­ten­zi­el­les Op­fer, sprach in Los An­ge­les mit Er­mitt­lern und in Ida­ho mit Spaceys Bru­der Ran­dy Fow­ler. »Die bei­den ha­ben kei­nen Kon­takt mehr«, sagt Hutt, »aber was Fow­ler über ihre Kind­heit er­zählt, hilft, Spacey zu ver­ste­hen.« zum Ar­ti­kel

Gnir­ke

Für sei­nen rü­den Um­gang mit den ei­ge­nen Mit­ar­bei­tern ist der Es­se­ner Dis­coun­ter Aldi Nord be­kannt. Was Kris­ti­na Gnir­ke in Ge­sprä­chen mit Be­schäf­tig­ten und ehe­ma­li­gen Füh­rungs­kräf­ten er­fuhr, über­rasch­te sie den­noch. Der­zeit ver­sucht der Kon­zern, neue Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen und Ar­beits­ver­trä­ge bei sei­nen fast 36 000 Mit­ar­bei­tern durch­zu­set­zen – nach An­sicht kri­ti­scher Mit­ar­bei­ter und Be­triebs­rä­te zu deut­lich schlech­te­ren Kon­di­tio­nen. Sie füh­len sich von Kon­zern­ma­na­gern schi­ka­niert und un­ter Druck ge­setzt, weil sie an ih­ren al­ten Ver­trä­gen fest­hal­ten wol­len. Zu Un­recht, fin­det Aldi. »Der Dis­put ist gra­vie­rend«, sagt Gnir­ke. zum Ar­ti­kel