Ex­po­nen­ti­el­le Zei­ten. Kürz­lich er­zähl­te der ame­ri­ka­ni­sche Bio­lo­ge und Ma­the­ma­ti­ker Eric Lan­der auf ei­ner Goog­le-Kon­fe­renz von den frü­hen Mü­hen des Hu­man­ge­nom­pro­jekts, an dem er we­sent­lich be­tei­ligt war. 13 Jah­re, von 1990 bis 2003, hat­te es ge­dau­ert bis zur ers­ten er­folg­rei­chen Ent­schlüs­se­lung ei­nes kom­plet­ten mensch­li­chen Ge­noms, mehr als 400 Wis­sen­schaft­ler hal­fen mit, um die mehr als drei Mil­li­ar­den Bau­stei­ne des DNA-Fa­dens zu iden­ti­fi­zie­ren. Es war ein Mei­len­stein der Er­kennt­nis­ge­schich­te, vom da­ma­li­gen US-Prä­si­den­ten Bill Clin­ton mit dem pa­the­ti­schen Satz be­schrie­ben, man habe nun die Spra­che ge­lernt, »in der Gott das Le­ben schuf«. Eric Lan­der konn­te sich da­mals nicht vor­stel­len, »dass wir das noch öf­ter ma­chen wür­den, denn es kos­te­te drei Mil­li­ar­den Dol­lar«. Und heu­te? Wird al­lein an Lan­ders For­schungs­in­sti­tut im Schnitt alle neun Mi­nu­ten ein neu­es Ge­nom se­quen­ziert – für 800 Dol­lar das Stück. Die Kos­ten sei­en da­mit »auf etwa ein Vier­mil­li­ons­tel ge­fal­len«, sag­te Lan­der. Ist das nicht ver­rückt? Fort­schritt ver­läuft oft nicht li­ne­ar, in ge­mäch­li­chen, gleich­mä­ßi­gen Schrit­ten, son­dern ex­po­nen­ti­ell, je­der Schritt kann dop­pelt so lang sein wie der vor­her­ge­hen­de. Was schwie­rig zu be­grei­fen ist. Es ist wie in der Ge­schich­te von den Reis­kör­nern auf dem Schach­brett, ein Korn auf dem ers­ten Feld, zwei auf dem zwei­ten, vier auf dem drit­ten, und auf Feld 64 hat man ei­nen Reis­hau­fen, der ganz Man­hat­tan be­deckt. Des­we­gen über­rascht uns der Fort­schritt im­mer wie­der. Was ges­tern noch un­ge­heu­er weit weg schien, ist heu­te plötz­lich: da. Die Imp­fung ge­gen Krebs. Das selbst­flie­gen­de Auto. Mit­füh­len­de Ma­schi­nen. Viel­leicht ste­hen wir schon auf Feld 63 und wis­sen es nicht.

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