Ein Grund für den Hellig­keits­anstieg ist die rasante Entwick­lung der Licht­tech­nologie: Es stehen immer effi­zi­entere Leucht­mittel zur Ver­fügung, die mehr Licht aus wenig Strom gewinnen.

In puncto prozen­tualer Licht­ver­schmutzung der Landes­fläche liegt Deutsch­land mitt­ler­weile auf Platz drei aller G-20-Länder, nach Italien und Süd­korea. Rund drei Viertel des Landes sind davon betroffen. Aber was genau ist Licht­verschmutzung?

Draußen lassen sich die Aus­wirk­ungen der Licht­ver­schmutzung sehr gut erfor­schen. Im Ideal­fall an nahezu unbe­rührten Orten wie im Havel­land. Bis hierhin ist das künst­liche Stadt­licht noch nicht vor­ge­drungen, hier ist die Nacht noch dunkel. Um das zu ändern, haben Wis­sen­schaftler auch hier LED-Straßen­laternen aufgestellt:

Es sind Aus­wirkungen auf das Öko­system, die auch vor dem Menschen nicht haltmachen. Insbe­sondere bläu­liches LED-Licht beeinflusst unseren Körper. Es bringt den Hor­mon­haus­halt durch­einander und unseren Tag-und-Nacht-Rhythmus. Es raubt uns den Schlaf:

Kunstlicht ist nicht generell schädlich, nur dann, wenn es falsch eingesetzt wird. Mitunter leuchtet es tagsüber zu dunkel und am Abend zu hell. Das kann gesund­heit­liche Folgen haben und im schlimmsten Fall mög­licher­weise zu Krebs­erkrank­ungen führen. Eine wichtige Rolle spielt hierbei das Hormon Melatonin:

»Biodynamisches« Licht kommt mitt­ler­weile auch in der Praxis zum Einsatz. In der »Thera­peutischen Tages­pflege« in Neu­branden­burg wird die Licht­stimmung an den Wach-und-Schlaf-Rhythmus der Bewohner angepasst. Wie positiv der Effekt sein kann, lässt sich vor Ort erkennen:

Neben dem Einsatz von »bio­dynamischem« Licht gibt es weitere Konzepte, um der Licht­ver­schmutzung ent­gegen­zu­treten. Smart­phones und Computer­bild­schirme bieten Nacht­modi an, bei denen der Bild­schirm­inhalt abends in wärmeren Farben und weniger hell dar­gestellt wird. Auch hin­sichtlich der oft gescholtenen Straßen­later­nen gibt es Verbes­serungs­vorschläge:

Licht­konzepte wie diese wollen sich gegen die Kunst­licht-Invasion zur Wehr setzen. Auch der Schutz von dunklen Flächen wie dem West­havel­land gewinnt an Bedeutung: Inzwischen gibt es in Deutsch­land immer­hin vier von der Inter­national Dark-Sky Association anerkannte Sternen­parks und -Schutz­gebiete. Aber reicht das aus?

Team

Autoren, Kamera, Schnitt
Rainer Brunnauer, Agata Szymanska‑Medina

Drohnenaufnahmen
Alessandro Agostini

Grafik
Cornelia Pfauter, Jennifer Friedrichs

Layout
Elsa Hundertmark

Motion Design, Programmierung
Lorenz Kiefer

Dokumentation
Peter Wetter

Schlussredaktion
Sandra Pietsch

Redaktion
Alexander Epp

Kartendaten Lichtverschmutzung:
Jurij Stare, www.lightpollutionmap.info, Earth Observation Group, NOAA National Geophysical Data Center

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