Ganz Ohr. Der eng­li­sche Sci-Fi-Kurz­film »The End« schil­dert das Ende der Ge­hör­lo­sig­keit: Im Jahr Jahr 2046 ist die Me­di­zin so weit, dass nie­mand mehr taub durchs Le­ben ge­hen muss. Der Letz­te, der sich ei­ner Be­hand­lung ver­wei­gert, ist Ar­ron, ein al­ter Mann, Sohn tau­ber El­tern, der sagt, in Ge­bär­den­spra­che na­tür­lich: »Ich bin nicht be­hin­dert. Ich bin taub. Ich bin stolz, taub zu sein.« Ein Ende der Ge­hör­lo­sig­keit, wie es heu­te tech­nisch er­reich­bar scheint, wür­de auch das Ende der Ge­bär­den­spra­che be­deu­ten. Für Leu­te, die erst im Al­ter Hör­pro­ble­me be­kom­men, ist der Fort­schritt ein Se­gen. Hör­ge­rä­te wer­den im­mer bes­ser, man kann sie auf Ge­räusch­si­tua­tio­nen ein­stel­len, Kon­zert, Turn­hal­le, Kon­fe­renz­raum. Und sie wer­den im­mer klei­ner. Aber für Ge­hör­lo­se ist es eine Fra­ge der Iden­ti­tät. Deut­sche Ge­rich­te be­schäf­ti­gen sich schon mit der Fra­ge, ob Kin­der auch ge­gen den Wil­len ih­rer El­tern Hör­pro­the­sen be­kom­men sol­len. Es geht um die Co­ch­lea-Im­plan­ta­te, Pro­the­sen un­ter der Kopf­haut, die akus­ti­sche Si­gna­le als elek­tri­sche Im­pul­se an die Hör­schne­cke (Co­ch­lea) im In­nen­ohr wei­ter­lei­ten. Der Deut­sche Ge­hör­lo­sen­bund warnt vor me­di­zi­ni­schen Ri­si­ken und da­vor, dass Kin­der in ih­rer Iden­ti­tät ver­un­si­chert wür­den. Aber im­mer mehr El­tern se­hen in die­ser Tech­no­lo­gie eher Chan­cen als Ri­si­ken. Im Jahr be­kom­men rund 3000 Men­schen in Deutsch­land ein Co­ch­lea-Im­plan­tat, die meis­ten da­von Kin­der. Da­nach ler­nen sie in ei­ner The­ra­pie, mit den Im­pul­sen um­zu­ge­hen, die sie nun wahr­neh­men. Die ers­te Kli­nik, die die­se The­ra­pie 1990 an­bot, war das han­no­ver­sche Kran­ken­haus Auf der Bult.

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